Kommentar
Teurer Ratschlag

Die Botschaften der Cebit 2004 sind klar: Um im globalen Wettlauf um Kostensenkung mithalten zu können, sollen die Unternehmen nun Hard- und Software am besten ganz aus der Hand geben. Doch so eingängig die These möglicher Ersparnisse durch spezialisierte Betreiber sein mag, so notwendig ist der Ratschlag, die neueste Heilslehre der IT-Konzerne sorgfältig zu überdenken.

Die Botschaften der Cebit 2004 sind klar: Um im globalen Wettlauf um Kostensenkung mithalten zu können, sollen die Unternehmen nun Hard- und Software am besten ganz aus der Hand geben. Den Betrieb ihrer IT-Abteilungen sollen sie den Computerkonzernen überlassen, denn die können es nach ihrer eigenen Darstellung nicht nur besser, sondern mit Hilfe von Indern und Chinesen auch deutlich billiger erledigen. Und billiger hat Konjunktur.

Doch so eingängig die These möglicher Ersparnisse durch spezialisierte Betreiber sein mag, so notwendig ist der Ratschlag, die neueste Heilslehre der IT-Konzerne sorgfältig zu überdenken. Es waren dieselben Anbieter, die Milliarde um Milliarde damit verdienten, die Büros der Unternehmen mit High Tech voll zu packen. Internet und E-Business würden die Gesetze der Wirtschaft von Grund auf neu schreiben, lautete damals die Botschaft.

Es kam anders, wie wir heute wissen, was nicht die Schuld der Computerindustrie ist. Doch eine Mitverantwortung für enorme Fehlinvestitionen trägt sie allemal: Denn fehlende Standards und nicht miteinander kompatible Technologien haben den Unternehmen Dutzende verschiedener IT-Systeme beschert. Diese Zersplitterung hat den praktischen Nutzen stark beeinträchtigt.

"Integration" war daraufhin das nächste Zauberwort - und damit begann ein weiteres, Hunderte Milliarden Dollar schweres Geschäft für die Computerindustrie. Doch weder haben die versprochenen Effizienzgewinne bis heute das erhoffte Niveau erreicht, noch hat sich die Hoffnung auf die Jobmaschine IT-Industrie langfristig erfüllt.

IT-Manager bemühen gerne das Auto als Sinnbild für das, was ihre Technologien leisten. Zum Fahren brauche man neben einem Motor eben auch eine Steuerung, Räder, Kupplung und ein Getriebe, sagen sie. Bleiben wir einmal in diesem Bild: Nun, wo das in teuren Einzelteilen gekaufte Auto in der Garage mit viel Aufwand zu einem halbwegs funktionierenden Wagen zusammengeschraubt ist, empfiehlt der Lieferant kurzerhand, auf einen Mietwagen inklusive Chauffeur umzusteigen. Diesen Rat sollten sich die Kunden auf der Cebit 2004 noch einmal näher erklären lassen.

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