Kommentar: Thyssen-Krupps alternativlose Trennung von der eigenen DNA

Kommentar
Thyssen-Krupps alternativlose Trennung von der eigenen DNA

Dass Thyssen-Krupp von seiner Edelstahlsparte Abschied nehmen muss, ist eine Folge von jahrelangem Missmanagement. Jetzt sind die Kassen des Unternehmens leer - und der Verkauf von Teilen des Konglomerats dringend nötig.
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DüsseldorfMit dem Verkauf seiner Edelstahlsparte an die finnische Outokumpu trennt sich Thyssen-Krupp von einem Teil seiner DNA. Vor 100 Jahren wurde in den Werken von Krupp der nichtrostende Stahl entwickelt. Dass der Ruhrkonzern nun von dem Bereich Abschied nehmen muss, ist die Folge von jahrelangem Missmanagement.

Ohne Frage ist der europäische Edelstahlmarkt hart umkämpft und eine Konsolidierung ist dringend nötig, um die Branche aus den roten Zahlen zu hieven. Thyssen-Krupp hätte die Neuordnung der Branche aber aus einer Position der Stärke forcieren können. Wenn denn die Kassen des Unternehmens nicht leer wären. Sind sie aber, der Konzern hat damit seine Kraft zum Agieren verloren.

Grund dafür ist die Kostenexplosion beim Bau der neuen Stahlwerke in Brasilien und Nordamerika. Über zehn Milliarden Euro haben diese gekostet und damit ein Vielfaches der ursprünglich geplanten Summe. Das Geld fehlt Thyssen-Krupp jetzt. Der neue Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat daher keine Alternative, als Teile des Konglomerats zu verkaufen. Anders wird er die nötige Umwandlung von Thyssen-Krupp in einen Technologiekonzern nicht schaffen können.

Dass Hiesinger nicht davor zurückschreckt, ein Kerngeschäft wie Edelstahl abzugeben, zeigt die Not bei Thyssen-Krupp. Für die Belegschaft und für die Investoren ist der Verkauf der Sparte zwar eine gute Lösung. Immerhin steigt der Aktienkurs und der Stellenabbau wird sozialverträglich gestaltet.

Thyssen-Krupps’ Dilemma ist aber nicht gelöst. Auch nach dem Deal ist der Traditionskonzern finanzschwach, er bleibt damit in der Defensive. Die für den Umbau nötigen Akquisitionen sind weiter nicht möglich. Hiesinger wird also weitere Aktivitäten verkaufen müssen. Der Verkauf von Edelstahl ist also kein Abschluss, sondern erst der Auftakt des Konzernumbaus.

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  • Es gibt wenige deutsche Firmen, die so oft umgebaut wurden wir ThyssenKrupp. Man erinnere sich nur an den Einstieg, dann wieder Ausstieg aus dem Thema Automobilzulieferer. Immer wieder bleiben aus den Umstrukturierungen "Restfirmen" übrig, die zum verkauf stehen oder auch nicht. Eine Langfriststrategie ist für mich nicht erkennbar.
    Seit Jahren wird auch die schwache Finanzkraft der von TK bemängelt. Trotz hoher Gewinne wurde die Wende nie wirklich geschafft.
    Insgesamt scheint mir der Konzern vor allem eine Spielwiese für Gernegroß' zu sein, die sich in den Konzernstrukturen wunderbar ausleben können, während sich das Topmanagement in der Tradition der alten Stahlbarone sieht.

  • Man soll nachträglich die verantwortlichen zur Kasse bitten.
    "NIROSTA" war fast ein Jahrhundert lang der Begriff für Edelstahlwerkstoffe in der Welt. (Markenname von Krupp).
    Ein "alter" Kruppianer kann nur noch den Kopf schütteln.
    Das war`s!!!

  • Bringens die überbezahlten Manager nicht oder liegts wieder an den ach so hohen Lohn+Lohnnebenkosten?

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