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Kommentar: Trauriges Indiz für die Krise

Große Geldhäuser bereiten Stellenstreichungen vor, die Stimmung unter den Bankern in London wird immer schlechter. Das alles führt seit kurzem dazu, dass sich in der englischen Stadt die Suizide häufen.

Menschen laufen in der Nähe der Themse durch London. Quelle: Reuters
Menschen laufen in der Nähe der Themse durch London. Quelle: Reuters

Das Coq d'Argent ist ein mehr oder minder edles Restaurant im Herzen der Londoner City. Hauptattraktion ist die große Dachterrasse, auf der sich an sonnigen Abenden die Banker drängen, um bei ein paar Drinks den Blick über die Dächer des Finanzviertels zu genießen. Leider hat das Coq d'Argent seine Unschuld verloren. Am vergangenen Mittwoch stellte eine Besucherin scheinbar in aller Ruhe ihre Handtasche auf den Boden der Dachterrasse, nahm einen Schluck aus ihrem Weinglas, dann überstieg sie die Balustrade und sprang in den Tod.

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Es war nicht der erste Selbstmord in dem Restaurant. 2007 suchte ein 33-jähriger Banker, 2009 ein junger Aktienbroker den Freitod im Coq d'Argent. Die tragische Serie zeigt, welch traurigen Tribut die Finanzkrise jenseits von Euro-Misere, Kurssturz und Finanzreformen fordert.

Seit nunmehr fünf Jahren kämpfen die Banker in der City nicht nur gegen die drohende Kernschmelze an den Märkten und das miese Image in der Öffentlichkeit. Der tiefgreifende Strukturwandel in der Branche löst eine Entlassungswelle nach der anderen aus. Gerade jetzt bereiten Geldhäuser wie Nomura oder die Deutsche Bank die nächste Runde von Stellenstreichungen vor.

Die Denkfabrik CEBR fürchtet, dass seit Ausbruch der Krise beinahe jeder dritte der einst 350.000 Arbeitsplätze in der City verschwunden ist. Der Dauerstress und die permanente Unsicherheit hat sich tief in viele Bankerseelen hineingefressen. Im Extremfall kann das zu Panikattacken mit körperlichen Symptomen wie Schwindel, Atemnot und Schweißausbrüchen führen. Viele Geldhäuser bieten Angestellten Hilfe an, denen die Belastung ihres Jobs über den Kopf zu wachsen droht.

Aber die Angebote sind freiwillig, und die Angst, Schwäche einzugestehen und deshalb von der Karriereleiter zu fallen, ist noch immer groß. Entsprechend hoch liegt die Hemmschwelle. Die Selbstmorde im Coq d'Argent sind ein trauriges Indiz dafür, dass sich die Kultur der Gier in der City oft genug in eine Kultur der Angst und der Frustration verwandelt hat. Kein Wunder, dass immer mehr Banker einen Ausweg aus der einstigen Glamourbranche suchen.

Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola
Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola

Spricht man in diesen Tagen mit Londoner Personalberatern, dann hört man häufig ähnliche Geschichten. Einst war es beinahe selbstverständlich, dass geschasste Investmentbanker bei einem der vielen Konkurrenten wieder unterkamen. Heute ist das nicht nur deutlich schwieriger, weil fast alle Banken sparen und sich auf die härtere Post-Krisen-Welt einstellen.

Viele Banker haben auch überhaupt keine Lust mehr, ihre Karriere in der Finanzbranche fortzusetzen. Sie suchen nach Jobs in der Industrie oder bei anderen Dienstleistern. Sollte es noch eines Beweises für diese These bedürfen, dann liefert ihn das Londoner Online-Portal "Escape the City". Vor zweieinhalb Jahren kündigten die beiden jungen Ernst & Young-Berater Dominic Jackman und Rob Symington ihre Jobs und gründeten die Internetseite, die frustrierten Bankern einen Ausweg aus ihren Jobs weisen soll. Seither haben sich mehr 75.000 Jobsucher angemeldet, gut 3000 Londoner haben sich über "Escape the City" bereits eine neue Stelle gesucht und ihr Leben geändert.

So schmerzlich, frustrierend und traumatisch der Strukturwandel in der Finanzbranche für viele Banker sein mag. Für den Rest der Wirtschaft ist der Umbruch eine gute Nachricht. Denn auf Dauer kann es nicht gesund sein, wenn eine einzige Branche mit dem Versprechen des schnellen Geldes den Großteil der besten Talente aufsaugt. Aber genau das war in Großbritannien in den vergangenen Jahrzehnten der Fall.

  • 11.09.2012, 18:27 Uhrclubman

    Guzzi_Cali2

    Sind Sie nicht etwas naiv? Und übertreiben Sie nicht mit ihren "Todesurteilen". Schämen Sie sich!

    Schuld ist in erster Linie "der Politiker", der weitere Staatsverschuldung forciert. Der hat die Regeln oder nennen wir es Regulierung geändert.Angefangen in der USA unter Clinton, hat das auch in Europa Schule gemacht. Gerade um den Banken die Staatsschulden verkaufen zu können wurden diese als nicht mit Eigenkapital zu hinterlegen graduiert. Die Banker trifft natürlich ein Teil schuld. Der von der Politik ausgelegte Köder mit mehr Profit bei weniger EK ist geschluckt worden. Bedauerlich ist nur das die Banker als eine Art Suendenbock herhalten müssen damit die Politiker nicht gänzlich ihre Reputation verlieren.

  • 11.09.2012, 17:37 Uhrclubman

    @ Handelsblatt

    Bitte lesen und zensieren Sie bei Gelegenheit die Kommentare zu ihren Artikel. Es ist unverständlich das derartig infantile bösartige Beiträge bei Ihnen durch die Kontrolle kommen. Bedauerlich, dass das HB zu einen Sprachrohr und Ventil psychisch Kranker geworden ist.

  • 11.09.2012, 13:57 Uhrotto936

    Kommunisten beim Handelsblatt ? Oh Gott, am Ende haben die noch "Das Kapital" gelesen - und verstanden was wir gerade live erleben dürfen.

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