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Trichet kann sich verstecken

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DÜSSELDORF. Normalerweise legt Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wert auf eine klare Kommunikation. Sein Ziel ist, dass die Märkte die jeweils nächste Zinsentscheidung ziemlich sicher vorausahnen. Mit seinen Äußerungen in Budapest ist er davon abgerückt: Jetzt blickt keiner mehr durch. Entsprechend wenig reagieren die Märkte.

Wenn man nur auf das Fehlen des Schlüsselbegriffs „erhöhte Wachsamkeit“ schaut, dann hätte er die Zinserhöhung bereits abgesagt. Aber damit die Märkte das Signal wirklich aufnehmen, wäre schon ein bisschen mehr kommentierendes Beiwerk hilfreich gewesen. Wahrscheinlich wollte Trichet sich die Entscheidung tatsächlich noch etwas offen halten, geht aber im Moment nicht mehr von einer Zinserhöhungs aus.

Dass die Märkte so schwach auf seine Äußerungen reagieren, hat noch weitere Gründe. Zum einen haben viele Experten ohnehin damit gerechnet, dass die EZB von ihrer quasi geplanten und angekündigten Zinserhöhung Abstand nimmt. Noch wichtiger aber: Letztlich schauen die Weltmärkte fast nur auf die US-Notenbank. Die Krise spielt sich im wesentlichen in den USA ab. Die US-Börse gibt im Moment auch wieder weltweit den Takt vor, und die Marktteilnehmer dort sind viel stärker darauf konditioniert als hier, auf kleinste Äußerungen oder Gesten des Notenbankchefs zu reagieren.

Trichet kann sich daher ganz gut hinter seinem US-Kollegen Ben Bernanke verstecken. Der hat es bis jetzt erstaunlich gut geschafft, die Märkte zu beruhigen, hat aber auch schon einiges Pulver verschossen. De facto scheinen die Märkte zurzeit davon auszugehen, das Bernanke bei neuen Turbulenzen wieder einschreiten würde, die Börse scheint so eine Art – wenn auch flexible – Untergrenze zu spüren. Aber damit kann es schnell vorbei sein – schon die heutige US-Börse sieht recht wackelig aus, nachdem schwache Werte für Häusverkäufe veröffentlicht wurden.

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