Kommentar
Trügerische Stärke

Die Woche des politischen Irrsinns nähert sich ihrem Ende, der Pulverdampf beginnt sich zu lichten. Was sich zeigt, man glaubt es kaum, ist dies: Die CDU hält die Erfolgsaussichten der großen Koalition nicht für geschrumpft, sondern für gewachsen.

Alles liegt in Trümmern, aber die designierte Kanzlerin Angela Merkel sei – wieder einmal – ein Stück stärker geworden, freut man sich bei den Christdemokraten.

Da ist kurzfristig durchaus etwas dran: Die SPD kann nach ihrer glücklich überstandenen Führungskrise gar nicht anders, als Handlungsfähigkeit und Gestaltungswillen zu demonstrieren. Ihr neuer Chef könnte auch helfen, dem Mangel an persönlichem Vertrauen zwischen SPD und Union abzuhelfen: Matthias Platzeck ist wie Merkel Brandenburger, von heiterem Gemüt und seit Jahren gewohnt, mit Christdemokraten zusammenzuarbeiten. Schön für Merkel ist auch, dass sie mit Platzeck den Hoffnungsträger der SPD für 2009 mit im großkoalitionären Boot hat – das kann mit Blick auf die rot-rot-grünen Langfristoptionen der SPD überhaupt nicht schaden.

Und die CSU? Deren Chef Stoiber ist auf absehbare Zeit zu einem politischen Gespensterdasein verdammt. Sein Statthalter in Berlin, Michael Glos, kann nur mit, nicht gegen Merkel gewinnen. Stoiber wiederum ist erst einmal vollauf damit beschäftigt, den Respekt seiner Leute in München zurückzugewinnen. In Straußscher Manier die Kanzlerin öffentlich zu piesacken ist Stoiber erst einmal verwehrt.

Die Schwäche ihrer Partner ist für Merkel eine feine Sache – jedenfalls im Moment. Sobald es aber ans Regieren geht, kann alles schnell ganz anders kommen. Dann wird die Koalition starke Parteien brauchen, die ihre Politik den Wählern erklären. Auch darf man sich nicht täuschen: Die SPD-Linke ist zwar vorerst zum Schweigen gebracht, aber sie ist noch da. Das gilt auch für Stoiber, sofern er die nächsten Wochen politisch überlebt: Will die CSU in Bayern auf Dauer ihre Alleinherrschaft verteidigen, muss sie im Bund wieder mächtig werden. Stoiber sitzt im Koalitionsausschuss, er sitzt im Bundesrat. Über kurz oder lang muss Merkel wieder mit ihm rechnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%