Kommentar
Tu das Richtige - und verkauf es gut!

In geschickter Markenkommunikation macht Drogeriechef Dirk Roßmann niemand was vor. Er weiß, wie man sein Unternehmen in Szene setzt. Die Wahrheit hinter den Erfolgsmeldungen ist meist wesentlich unspektakulärer.
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Dirk Roßmann hat es einmal mehr verstanden, sich und sein Drogerieimperium richtig in Szene zu setzen. 2 000 ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen habe er eingestellt, ließ der Firmenchef mitteilen. Er suggerierte damit großzügige Unterstützung für unverschuldet in Not geratene Verkäuferinnen. Durch die spektakuläre Schlecker-Pleite verloren 25 000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die bahnbrechende Idee der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, Schlecker-Verkäuferinnen kurzerhand zu Erzieherinnen umzuqualifizieren, hatte ja auch nicht funktioniert. Bei Roßmanns, so die Botschaft, wird eben gehandelt, nicht schlau herumgeredet.

Geschickt vermarktet auch das neue Führungsduo der Deutschen Bank seinen Neustart für das größte deutsche Geldhaus. Ein spezielles, mit externen Experten besetztes Vergütungsgremium soll Aufsichtsrat und Vorstand beraten, verkündeten Anshu Jain und Jürgen Fitschen gleich zu Amtsantritt. Dass über den neuen Beirat bislang so wenig bekannt ist wie über eine Privataudienz beim Papst, tut der Sache keinen Abbruch. Allein die Idee, für das äußerst sensible Thema eine eigene Institution zu schaffen, findet selbst unter notorischen Branchenkritikern Beifall.

Nun haben die Einstellungsoffensive von Rossmann und der Vergütungsbeirat der Deutschen Bank formal wenig gemeinsam. Aber: In beiden Fällen verkaufen die Unternehmen der Öffentlichkeit etwas, was eigentlich selbstverständlich ist. Rossmann stellt schon deshalb Schlecker-Leute ein, weil Rossmann 100 Ihr-Platz-Standorte aus der Insolvenzmasse übernommen hat. Irgendwer muss dort schließlich Regale einräumen und an der Kasse sitzen. Zudem sei die Frage erlaubt, was Tausende arbeitslose Schlecker--Frauen denn sonst hätten machen sollen, als bei der ehemaligen Konkurrenz anzuheuern?

Kaum anders verhält es sich mit der vermeintlich wegweisenden Idee der Deutsch-Banker. Boni für Investmentbanker oder Geldhändler festzulegen, Vergütungssysteme für Vorstände zu entwerfen und die Bezahlung der Aufsichtsräte zu regeln, das ist ureigenste Aufgabe der Leitungsgremien einer Aktiengesellschaft. Mag sein, dass seit der Finanzkrise vor fünf Jahren die Dinge sehr kompliziert geworden sind, dass verschärfte staatliche Regulierung und gestiegenes öffentliches Interesse die Banken geradezu zwingen, sich der Hilfe externer Fachleute zu bedienen. Entscheiden müssen Vorstand und Aufsichtsrat am Ende doch selbst.

Nun soll hier das Bestreben des Drogerie-Unternehmers Roßmann und der Banker Jain und Fitschen, das Richtige zu tun, nicht in Abrede gestellt werden. Jede Maßnahme, die Vernunft in eine teilweise völlig aus dem Ruder gelaufene Managervergütung bringt, jeder Arbeitslose weniger zählt im Kampf gegen den weiteren Verfall des Ansehens der Wirtschaft.

Nur müssen die Verkäufer der "guten Tat" aufpassen, dass die Botschaft nicht in die falsche Richtung losgeht. Denn irgendwann wird auffallen, dass Rossmann (die Firma schreibt sich mit Doppel-S) zwar acht Prozent der Schlecker-Mitarbeiterinnen übernimmt, der Umsatz aber um etwa 18 Prozent in diesem Jahr steigt. Da schlägt sich der Untergang eines großen Wettbewerbers nieder.

Und was wird die Deutsche Bank tun, wenn ihr unabhängiger Vergütungsbeirat revolutionäre Vorschläge macht? Vorschläge, die den Bankern so gar nicht gefallen. Ignorieren? Prinzipien einfach über Bord werfen?

Gewiefte Verkäufer wissen: Gute Taten sind nicht erklärungsbedürftig. Sie verkaufen sich von allein.

Der Autor ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen ihn unter: fockenbrock@handelsblatt.com

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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