Kommentar
Türkische Turbulenzen

Es ist ein groteskes Schauspiel: Obwohl die EU und die USA die Subventionen für ihre Flugzeugbauer Airbus und Boeing einstellen wollen und auch die Konzerne selbst einräumen, dass ihre Maschinen ohne Staatshilfen fliegen können, eskalieren die Gespräche darüber zum offenen Streit.

Gestern endete die Frist, die sich beide Seiten Anfang Januar selbst für eine Verhandlungslösung gesetzt hatten. In der Sache sind sich Europäer und Amerikaner in den letzten drei Monaten aber keinen Schritt näher gekommen. Im Gegenteil: Taktische Manöver von EU-Kommissar Mandelson und ein rüder Verhandlungsstil seines Widerparts Zoellick haben den Konflikt noch verschärft.

Beide Seiten halten die Tür für weitere Gespräche bewusst offen. Hat doch niemand ein Interesse daran, das gerade erst reparierte transatlantische Verhältnis neu zu belasten. Sollte der Fall jedoch vor der Welthandelsorganisation landen, würde er auch andere Handelskonflikte negativ beeinflussen – inklusive der Doha-Runde zum weltweiten Abbau von Handelschranken.

Die Regierungen in Europa und den USA sollten sich deshalb von den taktischen Interessen ihrer Flugzeugbauer frei machen und ernsthaft über einen Subventionsverzicht verhandeln. Aber niemand will den ersten Schritt wagen. Dahinter steht die fast paranoide Angst von Airbus und Boeing, jedes Zugeständnis könnte sie ins Hintertreffen bringen. Geht es doch für Boeing um den Erfolg des neuen Modells 787 und damit um die Zukunft im zivilen Flugzeugbau. Und Airbus will mit dem Superjumbo A380 eben seine gerade errungene Weltmarktführerschaft verteidigen. Um ihre Ziele zu erreichen, sind beiden Firmen viele Mittel recht.

Brüssel und Washington sollten die Konzerne jedoch daran erinnern, dass dieser Wettbewerb nicht von den Lobbyisten, sondern von den Kunden entschieden wird. Es gibt heute keinen Grund mehr, den Bau von Flugzeugen zu subventionieren. Diese Einsicht hat sich in den Hauptstädten zwar durchgesetzt. Es fehlt jedoch die politische Courage, daraus auch die Konsequenzen zu ziehen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%