Kommentar
Überfällige Vorsorge

Über die Ursachen des Klimawandels wird noch lange gestritten werden. Doch seine Auswirkungen sind schon Realität. Sie heißen Hurrikan „Katrina“ oder Flutkatastrophe in Süddeutschland, Rumänien, der Schweiz und Österreich.

Über die Ursachen des Klimawandels wird noch lange gestritten werden. Doch seine Auswirkungen sind schon Realität. Sie heißen Hurrikan „Katrina“ oder Flutkatastrophe in Süddeutschland, Rumänien, der Schweiz und Österreich. Über Jahrhunderte gewachsene Siedlungsräume sind von Naturkatastrophen betroffen, die es dort nicht in diesem Ausmaß und dieser Häufung gegeben hat.

Nun reicht es nicht mehr, nur Vorsorge gegen den Klimawandel zu fordern. Die Klimaschutzpolitik braucht Jahrzehnte, um Wirkung zu entfalten. Schon jetzt aber muss eine andere Art von Vorsorge beginnen: der bessere Schutz der Menschen, die von extremen Klimaereignissen betroffen sind. Es gibt dicht besiedelte Flusstäler und Küstenregionen auf der Welt, denen in den nächsten Jahren regelmäßige Überflutungen drohen. Die Donau- und Elbregionen zählen dazu, das Mississippi-Delta. Ob es gelingt, die Bevölkerung zu schützen, ist eine Frage des Geldes und kluger Politik. Die USA haben die Mittel, um Risiken deutlich zu reduzieren. Ein von verheerenden Überflutungen häufig heimgesuchtes Land wie Bangladesch kann seinen Bewohnern kaum Schutz bieten.

Ähnliche Gegensätze sehen wir in Europa. Große Teile der Niederlande liegen unter dem Meeresspiegel, das Land wappnet sich. Auch Deutschland muss sich an seinen Küsten und Flussläufen auf die neue, gefährliche Realität einstellen. Leichtfertig wurden in der Vergangenheit Baugebiete in gefährlicher Nähe zu Flüssen ausgewiesen. Erst im Mai 2005 trat ein neues Hochwasserschutzgesetz in Kraft. Es erschwert das Bauen in gefährdeten Gebieten und schreibt vor, Deiche zu verlegen und Auen wiederherzustellen. Womit wir beginnen, fällt anderen ungleich schwerer: Rumänien, wo die jüngste Flut viel mehr Menschenleben gefordert hat, betreibt noch keinen vorbeugenden Hochwasserschutz.

Der kostet Zeit, viel Geld und die Überwindung alter Gewohnheiten. Doch nur so lassen sich Menschen schützen und die viel höheren Kosten der Schadensbeseitigung vermeiden.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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