Kommentar
Überforderte Branche

Von allen Seiten stürmt es auf die Automobilhersteller ein: Die Verkaufszahlen gehen in den Keller, die Gewinne der Vergangenheit schmelzen mit hoher Geschwindigkeit dahin. Weil VW, Daimler & Co. außerdem nicht schnell genug Rußpartikelfilter liefern können, geraten sie in der Öffentlichkeit massiv unter Druck.

Und schon droht ihnen der nächste Aufschrei. Die Autohersteller werden es wahrscheinlich nicht schaffen, die angekündigte Minderung beim Treibhausgas Kohlendioxid zu erreichen.

In der berechtigten Diskussion über Feinstaub, Rußpartikel und Kohlendioxid darf allerdings nicht nur der Automobilindustrie der Schwarze Peter für schlechte Luft zugeschoben werden. Wenn die Messstationen in den Ballungsräumen Alarm schlagen, dann sind außer den Autos auch die Haushalte, andere Industriebranchen und vor allem die Kraftwerke dafür verantwortlich. Die Vorstände der Autokonzerne regen sich also zu Recht auf und verlangen auch von anderen Sündern einen Beitrag zur Luftverbesserung.

Trotzdem darf sich die Automobilindustrie nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie muss sich damit abfinden, dass sie als eine der führenden Industrien in Deutschland im besonderen Fokus steht. Die Branche wird ihren Beitrag leisten müssen, damit die Luft in den Städten von Ruß, Staub und anderen Partikeln befreit wird.

Bei der Einführung moderner Sicherheitssysteme wie ABS und ESP haben die deutschen Hersteller dabei schon mehrfach bewiesen, dass sie sich zum Vorreiter für die gesamte Branche machen konnten – ohne jede staatliche Vorgabe und Zwang. Warum soll das nicht auch beim Umweltschutz gehen?

Wenn sich die Branche jetzt verstärkt auf alle Fragen im Zusammenhang mit sauberer Luft konzentriert, winkt ihr ein neuer Wettbewerbsvorteil. Wer dabei ganz vorn mitfährt, der kann auf neue Aufträge und ordentliche Gewinne hoffen. Deutschlands Autohersteller sollten also trotz der aktuellen Kritik nicht im Groll versinken. Ärmel hochkrempeln ist gefragt, dann kann es auch wieder aufwärts gehen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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