Kommentar
Übertriebener Pessimismus

Und er bewegt sich doch. Drei Jahre lang dämmerte der deutsche Konsument in einem Zustand des Wachkomas – jetzt, unmittelbar vor dem Jahresende 2004, sendet er Lebenszeichen aus: Das Weihnachtsgeschäft der Einzelhändler ist überraschend gut gelaufen – so gut, dass Analysten deshalb sogar Aktien von Handelsunternehmen zum Kauf empfehlen.

Nachdem bereits im Oktober der Einzelhandelsumsatz unerwartet stark gestiegen war, besteht jetzt die realistische Chance, dass der private Konsum am Jahresende zum ersten Mal seit langem einen nennenswerten Beitrag zum Wirtschaftswachstum leistet.

Zugegeben: Noch kann niemand mit Gewissheit sagen, ob dies den Anfang vom Ende des Konsumstaus markiert oder doch nur ein kurzes Aufflackern der Kauflaune.

Aber das gute Weihnachtsgeschäft ist ein weiteres Argument dafür, 2005 nicht jetzt schon wirtschaftlich verloren zu geben. Die Konjunkturpessimisten, die derzeit die öffentliche Diskussion beherrschen, machen einen Fehler: Wie gebannt starren sie auf die – ohne Zweifel vorhandenen – Risiken. Die zugleich vorhandenen Chancen und Hoffnungsschimmer ignorieren sie komplett.

Denn die Unternehmen kommen – wie der Standort insgesamt – nach zahlreichen Restrukturierungs- und Reformwellen gestärkt aus der Krise. Nicht nur die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist hoch. Gerade in den vergangenen Monaten haben sich die Anzeichen verdichtet, dass sich die lange kränkelnde Binnenkonjunktur in Deutschland stabilisiert und es allmählich aufwärts geht. Im Dezember liefen die Geschäfte der Firmen so gut wie seit rund dreieinhalb Jahren nicht mehr, zeigt der jüngste Ifo-Index. Und in die Zukunft blicken die Unternehmen optimistisch. Bereits im dritten Jahresviertel haben die Ausrüstungsinvestitionen kräftig zugelegt. Und auch die im dritten Quartal überproportional gewachsene Importnachfrage zeigt: In der Binnenwirtschaft ist etwas in Bewegung geraten.

Hinzu kommt, dass fast alle Konjunkturprognosen für 2005 trotz der Abwärtsrevisionen besser sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Denn nahezu alle Volkswirte sagen für 2005 weiterhin eine leichte Beschleunigung der Konjunkturdynamik voraus. Weil es aber 2005 wieder weniger Arbeitstage geben wird als in diesem Jahr, sieht man dies den nackten BIP-Zahlen nicht an.

Keine Missverständnisse: Für einen Aufschwung im eigentlichen Wortsinne wird es auch 2005 nicht reichen. Aber immerhin darf man darauf hoffen, dass die mühsame Konjunkturerholung im kommenden Jahr nicht zum Stillstand kommt. Die Aussichten für die deutsche Konjunktur sind weder weiß noch schwarz – sie sind grau. Hellgrau, immerhin.

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