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Wozu braucht man Feinde, wenn man ungeschickte Freunde hat? Das mögen sich etliche EU-Regierungschefs beim Besuch von US-Präsident George W. Bush in Irland und nun in der Türkei fragen. Denn gerade hat man den transatlantischen und innereuropäischen Irak-Streit mühsam hinter sich gelassen und der Nato eine abgespeckte Rolle im Irak zugewiesen. Und dann tritt Bush nach seiner Ankunft in Ankara ins Fettnäpfchen und fordert ein festes EU-Aufnahmedatum für die Türkei.

Nun ist Bush zwar nicht der erste US-Präsident, der die Integration des islamischen Landes in die Union befürwortet. Dennoch hat er mit seiner Äußerung gerade jenen europäischen Regierungen, die auf eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei Endes des Jahres hinarbeiten, einen Bärendienst erwiesen.

Diese haben es ohnehin schwer, ihre Bevölkerungen von der notwendigen Annäherung an die Türkei zu überzeugen. Die demonstrative Unterstützung durch den in Europa ungeliebten Bush schadet ihnen dabei mehr, als dass sie nutzt. Ohnehin fährt ein US-Präsident nur selten Sympathie-Punkte ein, wenn er Empfehlungen für EU-Interna gibt.

Bleibt die Frage nach seinen Motiven. Hier dürften die Befürworter eines Türkei-Beitritts ins Grübeln kommen. Zwar vertritt Bundesaußenminister Fischer die Meinung, die Türkei würde das „strategische Gewicht“ der EU erhöhen. Aber daran hat Bush kein Interesse. Schließlich hatte die US-Regierung vor kurzem eher befürchtet, die EU könne sich zu einem Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten entwickeln. Aus US-Sicht wirkt eine Aufnahme der Türkei vielmehr als Garant, dass eine dann sehr heterogene EU ihr „strategisches Gewicht“ nie wird voll einsetzen können.

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