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Kommentar: Unwohl und unhöflich

Es ist nicht von der eleganten Art, erst öffentlich Gastgeber Putins Demokratieverständnis zu rügen, dessen Kritiker mit einem Besuch zu ehren - aber schließlich mit bester Miene beim Siegesspektakel des russischen Präsidenten mitzutun. George W. Bush unternahm aber genau dies, in dem er seine Teilnahme an der Moskauer Siegesparade von Unfreundlichkeiten umrahmte.

Warum? Weil sich Bush auf dem Roten Platz so unwohl gefühlt haben dürfte wie noch so manch anderer dort. Weil der inszenierte Pomp und der geborgte Glanz von Zeiten künden, die eigentlich überwunden sind. Und weil der autoritative Putin des Jahres 2005 nicht wirklich nach dem Geschmack des Westens ist.

Doch Russland tickt anders. Es bezog noch unter jedem Kremlherrn einen Gutteil seines Stolzes aus jenem großen Krieg. Ein Krieg, der ohne den sowjetischen Widerstand nicht im Mai ’45 zu Ende gegangen wäre, sondern wesentlich später. In Moskau ging es daher einzig um diese historische Würdigung. Dafür kann das politische Geschäft warten.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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