Kommentar
US-Autobranche Zu viel zum Sterben

Die Strategie der US-Autobauer ist nicht aufgegangen. Schon Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang Oktober steckten General Motors, Chrysler und Ford Millionen in Lobbyarbeit, damit sie der Staat mit Steuermitteln aus der selbst verschuldeten Krise herauskaufe.

Die Strategie der US-Autobauer ist nicht aufgegangen. Schon Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang Oktober steckten General Motors, Chrysler und Ford Millionen in Lobbyarbeit, damit sie der Staat mit Steuermitteln aus der selbst verschuldeten Krise herauskaufe. Sie wollten die Gunst der Stunde nutzen: Schließlich hatten die Banken Ende September praktisch ohne jede Auflage Milliardensummen erhalten.

Die Überfalltaktik misslang. Vor der Wahl wollte sich kein Parlamentarier mit Subventionen für einen weiteren Industriezweig die Finger verbrennen. Nach der Wahl traten die Detroiter Konzernchefs so arrogant und selbstgerecht vor dem Kongress auf, dass die Politiker sie auflaufen ließen. Wie sollten sie vor dem Wähler Milliarden für Manager rechtfertigen, die keine Einsicht in eigene Fehler zeigten und zudem in drei Privatjets anreisten? Nach diesem PR-Desaster zeigten sie sich bei weiteren Anhörungen reumütiger. Aber ohne die katastrophalen Arbeitsmarktdaten vom Freitag hätte das gar nichts genützt. Nun erhalten sie rund die Hälfe dessen, was sie verlangt haben. Zu viel zum Sterben, aber zu wenig zum Überleben. Wenn es unter der neuen Regierung Obama um eine endgültige Lösung geht, wird man sich in Detroit auf heftige Auflagen etwa zum Schutz der Umwelt einstellen müssen.

Obama muss die Schwäche der Autobosse dann aber auch zum langfristigen Schutz der Konjunktur vor der maroden Detroiter Industrie nutzen. Ohne schmerzliche Stellenstreichungen und Lohnkostensenkungen wird es nicht abgehen. Er wird auch den Gewerkschaften massive Zugeständnisse abverlangen müssen und hat immer das Druckmittel in der Hand, die Firmen bankrottgehen zu lassen. Detroit sollte sich über die Milliarden nicht allzu sehr freuen.

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