Kommentar
USA ohne Kompass

Wieder ein Anschlag, wieder tote Amerikaner. Diesmal nicht in Bagdad, sondern im Gaza- Streifen. Die auf eine Befriedung des Mittleren Ostens zielende Politik der USA zerfetzen Terroristen mit ihrem Bombenhagel.

Wieder ein Anschlag, wieder tote Amerikaner. Diesmal nicht in Bagdad, sondern im Gaza- Streifen. Die auf eine Befriedung des Mittleren Ostens zielende Politik der USA zerfetzen Terroristen mit ihrem Bombenhagel.

Anfang der Woche behauptete US-Präsident George W. Bush, die Lage in der Region bessere sich täglich. Er beklagte sich darüber, dass die Medien immer nur die schlechten Nachrichten aus der Krisenzone berichten. Am gleichen Tag wurden in Bagdad zehn irakische Polizisten bei einem Anschlag getötet. Bushs Beteuerungen stehen im Kontrast zu einer harschen Realität. Ob Palästina oder Irak, die amerikanische Außenpolitik hat sich in eine Sackgasse manövriert. Von der „Road-Map“, die den Weg zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern weisen sollte, redet kaum noch jemand. Die Fronten sind verhärteter denn je.

Im befreiten Irak müssen sich die Befreier hinter Betonmauern verschanzen. Die US-Regierung wollte das Land im Vorbeigehen befrieden und zu einer Musterdemokratie aufbauen. Jetzt müssen sich die Amerikaner auf einen jahrelangen Einsatz von Truppen und Geld einstellen. Viel internationale Hilfe ist selbst mit der neuen Uno-Resolution nicht zu erwarten, da die USA nicht bereit sind, über ihren Schatten zu springen und der Völkergemeinschaft eine echte Mitsprache einzuräumen.

Selbst unter den Amerikanern wächst die Unzufriedenheit mit der Außenpolitik ihres Präsidenten. Bush will sich von schlechten Umfragewerten jedoch nicht beirren lassen. Seine Aufgabe sei es, zu führen, sagt er. Genau das vermissen jedoch seine Landsleute. Selbst der republikanische Parteifreund und Senator Richard Lugar mahnte kürzlich, Bush müsse endlich das Heft in die Hand nehmen und erklären, wohin die Reise im Irak gehen solle.

Das weiß Bush vermutlich selbst nicht. Nur so lässt sich erklären, dass sich sein Kabinett einen offenen Machtkampf über die Außenpolitik liefert. Außenminister Powell drängt auf Mäßigung, Verteidigungsminister Rumsfeld auf Härte, und Sicherheitsberaterin Rice pendelt je nach Windstärke zwischen beiden Polen.

Die Ratlosigkeit ist leicht erklärt: Bush und seine Getreuen sehen sich nach wie vor in einem permanenten Krieg gegen den Terror. Doch Bedrohungsängste allein taugen nicht als Richtschnur, wenn es darum geht, Frieden zu stiften.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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