Kommentar
USA und China müssen erste Hilfe leisten

Während Europa um seine Währung bangt, sehen die USA und China fassungslos zu - noch. Denn sollte sich die Krise verschlimmern, müssen die Großmächte eingreifen, und zwar im eigenen Interesse.
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Der August ist oft eine schwierige Zeit für die Devisenmärkte. Dieses Jahr braut sich eine besonders explosive Mischung zusammen. Aus Europa, China und den USA droht Ungemach. Der Wirrwarr um die Währungsunion erreicht ein verhängnisvolles Ausmaß. Bleibt zu hoffen, dass im Augenblick der europäischen Not die führenden Wirtschaftsnationen, Amerika und China, über ihren Schatten springen und zugunsten der Weltwirtschaft Erste Hilfe leisten.

Die beiden Länder haben aus unterschiedlichen Motiven ein tiefgehendes Interesse an einer Bewältigung der Euro-Krise. Sie fordern verzweifelt die Europäer auf, endlich Führungsstärke zu zeigen. Bei einer weiteren Zuspitzung dürfen wir aber von den USA und China erwarten, dass beide Länder - trotz hausgemachter Probleme - knallharte Entscheidungen treffen, um den Folgen der europäischen Schwäche zu begegnen. Im Fall des Falles sind aus Peking und Washington Finanzspritzen der Notenbanken, kurzfristige fiskalpolitische Stabilisierungsmaßnahmen sowie mit den anderen G20-Ländern konzertierte Aktionen zu erwarten.

Woran liegt die August-Anfälligkeit? Viele politische Entscheidungsträger sind in Urlaub. Der Handel an den Finanzmärkten ist dünn und nervös. Die Juniorhändler, die während der Abwesenheit der Chefs die Tagesgeschäfte verantworten, wollen Fehler vermeiden und ziehen nur zu bereitwillig Geld aus angeschlagenen Ländern ab. Negative Wirtschaftsmeldungen können daher wie Bomben einschlagen. Deswegen hat der Europäische Zentralbank-Präsident Mario Draghi angekündigt, die EZB stehe Gewehr bei Fuß, um in den Krisenländern den Kurs der Staatsanleihen zu unterstützen.

Verbale Interventionsspiele gehören freilich zum Waffenarsenal jedes Notenbankers. Leider könnte sich aber diese Taktik als kontraproduktiv erweisen, sollte sie Protestrufe der Bundesbank und neue Spaltungen im EZB-Rat herbeiführen.

An Brennstoff herrscht in diesem August kein Mangel. Da Athen bei der Erfüllung vereinbarter Spar- und Privatisierungsprogramme extrem rückständig ist, sind die Kreditgeber in Europa wie beim Internationalen Währungsfonds (IWF) wenig dazu geneigt, neue Hilfskredite für Griechenland zu bewilligen. Fraglich ist es sogar, ob fällige Auszahlungen im Rahmen bestehender Rettungspakete tatsächlich erfolgen. Daher könnte Hellas bald das Geld ausgehen, zumal sich die EZB angesichts wachsender Ausfallrisiken weigern könnte, weiterhin Notstandsliquidität bereitzustellen.

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Der Worst Case wird längst durchgerechnet

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  • Ich frage mich bloß, wo der ESM 1 Bio. Euro her bekommen will? Wo soll plötzlich das Geld herkommen? Sind die Märkte sooo liquide?

  • wir habn nichtmal militär

    aber wir rasseln mt dem säbel.... :( tz
    Klar unser gold in den Staaten ....
    verfassung nur halb... wahlrecht am arsch...
    dann die stimmen und risiko verteilung...
    innerhalb der Eu....

    Mr obama sollte die andern ermahnen
    ohne die Empfindlichkeiten der andern hätten wir den Salat nicht... wir wollten nur vereint sein.....
    D und seine Menschen habn keinem was zuleide getan.

  • Es wird mittlerweile langweilig, aber...
    1. Spanien und Italien können Pfandbriefe mit hinterlegten Sicherheiten herausgeben und weg ist ihr Zins- und Finanzierungproblem.
    2. Spanien und Italien haben vor dem Eurozeitalter viel höhere Zinsen gezahlt. Wo ist hier eigentlich eine Krise
    3. Für die Privatisierung der Staatsbetriebe in Griechenland hat Roland Berger ein Konzept vorgelegt, womit Griechenland sich weitestgehend entschulden könnte
    4. Der Schuldentilgungsfond mit hinterlegten Sicherheiten könnte kurzfristig die Finanzsituation in der EU grundlegend ändern.
    5. Die Reformen müssen umgesetzt werden, mit der sich die Bevölkerung im Süden nicht mehr länger besser stellt, als die Bürger im Norden.
    6. Die Bankenrettung muss aufhören. Es ist nur eine Einladung an die Finanzindustrie ihre Probleme auf den Steuerzahler abzuwälzen

    Man fragt sich unwillkürlich, warum die Südstaaten keine Sicherheiten für ihre Kredite geben wollen, keine professionelle Privatisierung zulassen, keine Reformen durchziehen.

    Warum gibt es nur den Weg der Transferunion für sie?

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