Kommentar
Vertrauen enttäuscht

Unter dem Druck neuer Vorwürfe ist Bundesbankpräsident Ernst Welteke zurückgetreten. Konnte er in der Adlon-Affäre noch für sich geltend machen, dass die Einladung zur Silvesterparty 2001 der Dresdner Bank zumindest teilweise dienstlich bedingt war - für den Aufenthalt auf einer Luxusyacht in Monaco zum Formel 1 Rennen auf Kosten von BMW hat er diese Entschuldigung nicht mehr. Welteke erweist sich als Wiederholungstäter. Niemand weiß, was noch bekannt wird. Mit dem Amt eines Bundesbankpräsidenten, dessen wichtigstes Kapital Vertrauen ist, ist ein solches Verhalten nicht vereinbar. Welteke hat Vertrauen enttäuscht.

Dem Vorstand der Bundesbank ist kein Vorwurf zu machen. Er hat Welteke am vergangenen Mittwoch nach Prüfung der Adlon-Affäre vor einer massiven Drohkulisse des Bundesfinanzministeriums empfohlen, sein Amt ruhen zu lassen. Nach den neuen Erkenntnissen hat er sich konsequent von seinem Präsidenten getrennt. Die Führung der Bundesbank ist bei ihrem kommissarischen Präsidenten Jürgen Stark einstweilen in guten Händen.

Jetzt ist Berlin am Zug. Man kann Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel nur zur Besonnenheit raten. Nicht nur Welteke hat den Ruf der Bundesbank beschädigt, auch der unangemessene politische Druck, mit dem Eichel Weltekes Rücktritt erzwingen wollte. Der Vorwurf der Intrige gegen Welteke steht noch unaufgeklärt im Raum. Im Ausland wird das mit Befremden zur Kenntnis genommen. Man befürchtet, dass das ganze System der Europäischen Notenbanken Schaden nehmen könnte. Die Regierung wäre schlecht beraten, einen Kandidaten durchdrücken zu wollen, der kein ausgewiesener Stabilitätspolitiker ist.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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