Kommentar: Viele können gewinnen

Kommentar
Viele können gewinnen

Die RAG, der frühere Bergbaukonzern Ruhrkohle, ein Kandidat für die Börse? Eine solche Perspektive haben viele Finanzprofis dem größten deutschen Subventionsempfänger bislang glatt abgesprochen. Zu Recht.

Nun aber besteht eine reelle Chance, dass Konzernchef Werner Müllers Vision von einer an der Börse notierten RAG bereits im Frühjahr 2006 Realität werden kann. Sogar ein Aufstieg in den Dax ist möglich. Diese Leistung des Ex-Bundeswirtschaftsministers verdient Respekt.

Der von Müller vorangetriebene Wandel der RAG verdeutlicht: In Deutschland, auch im krisengeplagten Ruhrgebiet, sind tief greifende Veränderungen in der Unternehmenslandschaft möglich. Und wenn alles gut geht, dann wird es bei einem Börsengang der RAG nur Gewinner geben. Der Bund profitiert, weil ihm der Erlös aus dem Verkauf der RAG-Aktien – immerhin vier Milliarden Euro – zusteht. Finanzminister Eichel wird sich freuen.

Der Bergbau erhält für einige Jahre Planungssicherheit, da die Einnahmen aus dem Börsengang nicht in den allgemeinen Bundeshaushalt, sondern in ein Sondervermögen fließen. Das heißt: Werden die Mittel kurzfristig anderswo benötigt, muss der Bund für die Lücke geradestehen. Auch ein endgültiger Ausstieg des Staates aus dem Steinkohlenbergbau ist jetzt leichter möglich. Akut wird die Frage vielleicht schon bei einem Regierungswechsel in Berlin. Die Großaktionäre Eon, RWE, Thyssen-Krupp schließlich können ihre ungeliebten RAG-Papiere viel früher als erhofft abstoßen und damit mögliche Haftungsrisiken für den Bergbau ein für allemal ausschließen.

Eines muss man Müller lassen: In nur einem drei viertel Jahr hat er die behäbige RAG mächtig auf Trab gebracht. Von Anfang an war ihm klar, dass der noch aus den 60er-Jahren resultierende Haftungsverbund zwischen Bergbau und kohlefernen Aktivitäten die RAG in eine Sackgasse manövriert hatte. Sein radikaler Konzernumbau und der Austausch von Führungskräften waren also kein Selbstzweck. Sie dienten nur dem einen Zweck: die RAG kapitalmarktfähig zu machen. Und dies scheint ihm zu glücken.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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