Kommentare

_

Kommentar: Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

„Dieser Krieg muss ein Ende haben“: Obama ruft die Wende im Kampf gegen den Terror aus. Weniger Drohnenangriffe, das Aus für Guantanamo – der Präsident scheint es ernst zu meinen. Er arbeitet an seinem Vermächtnis.

Nils Rüdel
Nils Rüdel, Korrespondent von Handelsblatt Online in New York.

Bald zwölf Jahre ist es her, dass George W. Bush vor den Kongress trat mit den Worten: „Unser Krieg gegen den Terror beginnt mit Al-Kaida, aber er wird dort nicht enden“. An jenem 20. September 2001, neun Tage nach 9/11, begann Amerikas langer Feldzug. „Ich werde nicht aufhören“, sagte Bush, „bis jede Terrorgruppe mit weltweitem Einfluss gefunden, gestoppt und besiegt ist“.

Anzeige

Der 23. Mai 2013, könnte für die Geschichtsbücher einmal von ähnlicher Bedeutung werden. Die Rede von Bushs Nachfolger Barack Obama zur nationalen Sicherheit markiert einen Wendepunkt im Kampf gegen den Terror: Zum ersten Mal seit 2001 hat ein US-Präsident gefordert, dass es so nicht einfach weitergehen kann.

„Dieser Krieg muss, so wie alle Kriege, ein Ende haben“, sagte Obama. „Das rät uns die Geschichte. Das verlangt unsere Demokratie“. Der Kampf gegen den Terror, so die Botschaft, soll wieder in die Hände derer gelegt werden, in die er gehört: Justiz und Strafverfolgung – so wie vor 9/11. Er soll sich unterordnen unter Recht und Gesetz.

Anti-Terror-Kampf Obama schränkt den Drohnenkrieg ein

Barack Obama erlässt strengere Richtlinien zum Einsatz von Drohnen.

Anti-Terror-Kampf: Obama schränkt den Drohnenkrieg ein

Es sind Worte, die man gar nicht hoch genug bewerten kann, denn bisher war das geradewegs umgekehrt. Unter Bush, aber auch unter Obama, waren Geheimdiensten und Armee viele Mittel recht, um Amerika zu schützen. Die Invasionen im Irak und in Afghanistan, die gezielte Tötung von Terrorverdächtigen mittels Drohnen, „erweiterte Verhörmethoden“, unbegrenzte Haft ohne Anklage, ein ausufernder Sicherheitsapparat – die Sicherheit auf amerikanischem Boden hatte einen hohen Preis.

Obama bedachte dies am Donnerstag mit einem bemerkenswerten Satz: „Ist es das, was wir sind? Ist es das, was unsere Gründerväter beabsichtigt hatten? Ist es das Amerika, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen?“

Nein, meint der Präsident und stellte ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor, die den Exzessen im Kampf gegen den Terror ein Ende setzen sollen. Die Drohnenangriffe etwa will er zwar weiterführen, aber unter verschärften Voraussetzungen und unter stärkerer Kontrolle.

  • 25.05.2013, 13:37 UhrKenntmichwer

    Ja damals hatte Präsident Bush den Mund ziemlich voll genommen! Bisher sind keine Erfolge gegen den Drogenterror, Yakuza-Terror, Mafia-Terror und kaum welche gegen Staatsterror erzielt worden.

    Vielleicht hat Obama aber schon erkannt, dass die Fokusierung auf den Terror und andere Extreme das ganz Normale in der Welt killt?

  • 24.05.2013, 15:49 UhrAxelSiegler

    "Ein Präsident, der den Krieg gegen den Terror beendete und Guantanamo schloss – das wäre doch was." - allein für diesen letzten schäbigen Satz würde ich dem Autor wünschen, dass er einem nächsten Terrorakt zum Opfer fällt - und nicht andere Unschuldige, die eben nicht vor dem Terror kapituliert haben!

  • 24.05.2013, 10:07 Uhrpuenktli

    Wieder mal eine rhetorische Kehrtwende des Herrn Obama. Dabei war ER es doch, der die Drohnensache forciert hat. Für wie blöd werden wir eigentlich gehalten?

  • Kommentare
Kommentar: FCB und BVB: Jenseits von Gut und Böse

FCB und BVB: Jenseits von Gut und Böse

Borussia Dortmund inszeniert sich gern als Retter des ehrlichen Fußballs. Dazu gehören auch Giftpfeile Richtung FCB, um selbst besser dazustehen. Die Realität: Im Fußball gibt es längst kein reines Gut oder Böse mehr.

Kommentar: Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

„Dieser Krieg muss ein Ende haben“: Obama ruft die Wende im Kampf gegen den Terror aus. Weniger Drohnenangriffe, das Aus für Guantanamo – der Präsident scheint es ernst zu meinen. Er arbeitet an seinem Vermächtnis.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Demontage eines Hoffnungsträgers

Demontage eines Hoffnungsträgers

Die Elektro-Fahrräder floppen, auch bei der neuen Mercedes A-Klasse gibt es Probleme. Die Commerzbank kommt genauso wenig voran wie der Berliner Flughafen. Ein trauriger Tagesrückblick, wenn da nicht eine Ausnahme wäre.

Walter direkt: Mehr Regulierung beseitigt kein Unrecht

Mehr Regulierung beseitigt kein Unrecht

Immobilien und Mieten werden in attraktiven Großstädten für immer mehr Menschen unbezahlbar. Die Politik reagiert darauf mit härteren Regeln für den Mietwohnungsmarkt. Kein guter Weg für die soziale Marktwirtschaft.

Handelsblog Ahnungslos beim Online-Shopping

Was wissen Sie eigentlich zum Thema Online-Shopping? Kennen Sie sich aus? Also, so richtig? Bestimmt haben Sie auch schon mal im Internet „Jetzt kaufen“ angeklickt. Doch das allein ist nichts Besonderes, denn diese Erfahrung teilen Sie mit... Von Katharina Schneider. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Deutschlands ungehobener Schatz

Deutschlands ungehobener Schatz

Bereits zum sechsten Mal lädt Merkel zum Integrationsgipfel. In Wahlkampfzeiten hat das Treffen vor allem Symbolcharakter. Dabei gäbe es beim Thema Zuwanderung für Deutschland aus ökonomischer Sicht viel zu gewinnen.

SPD feiert Geburtstag: Große Marke ohne Kern und Vision

Große Marke ohne Kern und Vision

150 Jahre mit einem gefühlten Marktanteil von 30 Prozent im Markt ist eine Meisterleistung. Mannesmann oder Quelle könnten ein Lied davon singen, wenn es sie noch gäbe. Glückwunsch für die SPD - und ein Marken-Check.

Gastbeitrag: „Die SPD hat sich nie verleugnet“

„Die SPD hat sich nie verleugnet“

Politik sei das langsame Bohren harter Bretter, sagte Max Weber. In 150 Jahren hat die SPD tatsächlich viel hartes Holz gebohrt und viel erreicht. Für die Zukunft muss sie sich eines bewahren: ihren Mut.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.