Kommentar
Vorbild Eisenach

Tagelang sah es nach einer kompromisslosen Konfrontation bei Opel aus. Nun gibt es Hoffnung auf eine faire Verhandlungslösung. Die gemeinsame Erklärung von Vorstand und Betriebsrat hat auch ein taktisches Element. Das Feuer in Bochum soll ausgetreten werden.

Dennoch: Das Unternehmen hat sich zum Ziel bekannt, alle deutschen Werke auch nach 2010 als Standorte für die Automobilproduktion zu erhalten. Das ist zwar keine Garantie, aber immerhin eine ernsthafte Absichtserklärung. Sogar das am stärksten von Schließung bedrohte Werk in Bochum hätte eine Perspektive.

Damit zeichnet sich ab, in welche Richtung die Reise gehen kann. Einschnitte wird es geben müssen: Die Opel-Mitarbeiter in Westdeutschland liegen mit ihrer Bezahlung immer noch ein gutes Stück über dem Flächentarif der Metallindustrie. Falls Betriebsrat und IG Metall die Rückkehr zum Flächentarif zulassen und auch zu Zugeständnissen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit sind, lässt sich das von Opel geforderte jährliche Sparziel von 500 Millionen Euro zumindest ansatzweise erreichen. Wenn dann noch ein Quäntchen mehr an Flexibilität bei den Arbeitszeiten dazukommt, wäre der Weg zu einer Einigung vorgezeichnet.

Im Opel-Konzern gibt es sogar ein Vorbild, an dem sich die westdeutschen Beschäftigten des Unternehmens orientieren können: die eigene Fabrik im thüringischen Eisenach. Die ostdeutschen Opel-Beschäftigten arbeiten flexibler und müssen sich weitestgehend mit dem aktuellen Flächentarif begnügen. In Thüringen steht eine Werksschließung aber nicht an, die Beschäftigten dort müssen sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen wie die Kollegen in Bochum und Rüsselsheim. Plötzlich ist der Osten Vorbild für den Westen: im Hinblick auf die Kosten, aber auch auf die Sicherung der Beschäftigung.

Die ersten Schritte in Richtung Kompromiss bedeuten nicht, dass es überhaupt keinen Arbeitsplatzabbau geben wird. Vielleicht ist es aber möglich, deutlich unter der vom Unternehmen in der vergangenen Woche genannten Zahl von 10 000 Stellen zu bleiben. Beide Seiten müssen jetzt ernsthaft verhandeln, dann ist eine gütliche Einigung möglich.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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