Kommentar
Vorstandschef als Lehrberuf - keine gute Idee

Tui liegt voll im Trend. Der Noch-Chef Michael Frenzel lernt den Nachfolger Friedrich Joussen an, bevor dieser die Geschäfte übernimmt. Doch das Anlernen von Vorstandschefs hat einen großen Haken.
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Friedrich Joussen kann ein Vierteljahrhundert Berufserfahrung vorweisen. Mit Erfolg. Schließlich hat der studierte Elektrotechniker den schärfsten Rivalen der Deutschen Telekom mit aufgebaut, zuletzt als Chief Operating Officer Vodafone Deutschland sogar geleitet.

Jetzt geht Joussen wieder in die Lehre. Für vier Monate darf der 49-Jährige dem Altmeister Michael Frenzel über die Schulter schauen, bevor der ihm seinen Chefposten beim Schifffahrts- und Reisekonzern Tui übergibt.

Fliegende Chefwechsel sind in Mode. Bis zu neun Monate vor offiziellem Dienstbeginn als Vorsitzender treten die Manager heutzutage ihren Dienst beim neuen Arbeitgeber an. Meist steigen sie ohne besondere Aufgaben als einfaches Mitglied in die Vorstandsriege ein, um nach Abgang des Vorgängers dessen Geschäfte zu übernehmen.

Wie Joussen wirkte auch der seit Juli amtierende RWE-Chef Peter Terium erst einmal im sprichwörtlichen Schatten des dominanten Vorgängers Jürgen Großmann. Und das sogar neun Monate lang. Politprofi Roland Koch, Ex-Ministerpräsident von Hessen, saß zunächst vier Monate auf die Ausbildungsbank des Baukonzerns Bilfinger Berger. Dann erst bezog er das Chefbüro. Heinrich Hiesinger bekam ein Vierteljahr Zeit, um für den Chefposten bei Thyssen-Krupp zu üben.

Selbst führungserfahrene Manager wie Marijn Dekkers, der 25 Jahre in den USA arbeitete, werden zunächst auf Erkundungstour geschickt, um Geschäfte, Standorte und die neuen Kollegen kennenzulernen. Erst nach acht Monaten im Chemie- und Pharmakonzern Bayer durfte der gebürtige Niederländer seinen Vorgänger Werner Wenning an der Spitze ablösen.

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