Kommentar: Vorurteile mit reinem Gewissen

Kommentar
Vorurteile mit reinem Gewissen

Verwahrloste Kinder, bettelnde „Zigeuner“: Die Deutschen haben Angst vor Armutsmigration. Die CSU schürt mit ihren Parolen die Vorurteile. Gut, dass das Thema Armutsmigration nun einen festen Rahmen bekommt – endlich!
  • 16

Es sind Klischeebilder, die in den Köpfen spukten, wenn es um Armutszuwanderung von Rumänen und Bulgaren geht. Und diese Vorstellungen von bettelnden „Zigeunern“ und verwahrlosten Kindern in Problemhäusern bekommen neues Futter, weil die CSU mit markigen Worten wettert, Bulgaren und Rumänen wollten in Deutschland nur Sozialleistungen erschleichen. Das schürt Angst, denn wer will schon Schmarotzer im Land? Plötzlich klingt der Vorstoß der Christsozialen, die „Anreize für Migration ins soziale Sicherheitssystem zu verringern“, ganz vernünftig. Und das ist schrecklich. Denn obwohl die Partei Vorurteile schürt, gibt es das Ganze mit reinem Gewissen.

Zwar gilt: Wer durch Neukölln in Berlin oder die Nordstadt in Dortmund geht, weiß, dass solche Szenen oder ähnliche zur Wirklichkeit in Deutschland gehören – doch sind sie nur ein Teil der Wahrheit. Denn die Zahlen sagen auch: Es gibt viele hochgebildete Zuwanderer, auch aus Rumänien und Bulgarien, und Deutschland ist auf diese Fachkräfte angewiesen. Es gibt nicht nur die eine oder die andere Seite, nicht nur Schwarz oder Weiß. Und so streitet in den Deutschen das Ja mit Nein, Gut mit Böse, Vermutungen mit Fakten, Gefühl mit Verstand. Und kommt zu keinem richtigen Schluss.

Die Deutschen sind zerrissen, das zeigen auch die neusten Umfragen von „Stern“ und RTL: Die eine Hälfte der Deutschen findet es falsch, dass für Bulgaren und Rumänen nun die volle Freizügigkeit gilt, die andere Hälfte findet es richtig. Die Zahlen sagen aber auch, dass die Angst der Deutschen vor Armutszuwanderung groß ist: 60 Prozent glauben, dass sie berechtigt ist. Und da ist es wieder, dieses Irrationale, das, was sich nicht wegdiskutieren lässt, die Angst vor den Fremden.

Deshalb ist es gut, dass die Debatte nun institutionalisiert wird – endlich. Denn nun setzt das Kabinett einen Staatssekretärs-Ausschuss ein, der sich damit beschäftigt, wie möglicher Missbrauch von Sozialleistungen verhindert werden kann. Das ist immerhin etwas. Denn obwohl die Problematik der Armutszuwanderung nicht neu ist, ist bisher nichts passiert. Auch wenn der Ausschuss die Ängste in den Köpfen nicht unbedingt beheben wird – vielleicht wird die Diskussion nun sachlicher. Und schützt vor Vorverurteilung mit gutem Gewissen.

Kommentare zu " Kommentar: Vorurteile mit reinem Gewissen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es wird langsam schon peinlich, wie hirnentleerte grünrote Deutschlandhasser dämlichst versuchen das Arbeitskräfte-Argument für ihre Umverteilungstaktik zu missbrauchen. Keiner von der CSU will verhindern, dass Rumänen bei uns arbeiten, auch wenn die Gutmenschenfraktion das immer wieder kolportiert.

  • Ich bin für die Zuwanderung der Osteuropäer und Zigeuner.
    Zu DDR-Zeiten habe ich diese Menschen schätzen und lieben gelernt. Und es wäre doch höchst unanständig, ihnen die dringend benötigten Sozialleistungen zu verweigern.
    Vielleicht könnte man auch für diese besonders bedürftige
    Gruppe die Sätze ev. verdoppeln?
    Elli Hörnlein

  • Maike Freund
    ist entweder extrem desinformiert oder eine Lügnerin, wenn sie behauptet:

    >>Es gibt viele hochgebildete Zuwanderer, auch aus Rumänien und Bulgarien, und Deutschland ist auf diese Fachkräfte angewiesen<<

    Nein sind wir nicht. Wir haben 3 Millionen Menschen ohne Arbeit, die Fachkräfte sind oder zu solchen werden können.
    Der Fachkräftemangel ist eine Theorie für die es bis heute keine harten Beweis gibt, im Gegenteil es gibt Belege, die gegen die Existenz des Fachkräftemangels zu sprechen-

    Wirtschaftslobbyisten haben ein Interesse nach Zuwanderung, das diese Lohndumping Vorschub leistet. Sie haben also auch ein Interesse daran Fachkräftemangel zu klagen um trotz Massenarbeitslosigjeit und ungelöster Probleme mit Teilen der alteingessenen Migranten weitere Zuwanderung rechtfertigen zu können.

    Es ist ein Zeugnis von extremer Unkenntnis oder aber Anstandslosigkeit, diese Motivation von Arbeitshebern und Wirtschaftslobbyisten einfach so zu verschweigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%