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Kommentar: VW in der Zwangslage

Die Situation bei Europas größtem Automobilkonzern ist eindeutig: Die Nachfrage ist schwach, die Verkaufspreise fallen, die Gewinne schrumpfen. Der einzige Ausweg für den VW-Konzern heißt sparen.

Diese Einsicht hat sich längst bei allen Parteien in der Tarifrunde durchgesetzt – auch bei der IG Metall vor Ort. Einer prinzipiellen Annäherung steht also eigentlich nichts im Weg.

Doch der Teufel steckt nicht nur im Detail, auch ein machtpolitisches Kalkül könnte die Verhandlungen hinauszögern. Der Gewerkschaft bläst der Wind rauer denn je ins Gesicht. Nach der Niederlage der IG Metall in Ostdeutschland, den tief greifenden Zugeständnissen bei Siemens und Daimler- Chrysler sieht die Zentrale in Frankfurt bei VW die Chance, die Muskeln spielen zu lassen.

Rein formell hat IG-Metall-Chef Jürgen Peters auch gute Karten. Schließlich sind rund 90 Prozent der westdeutschen VW-Belegschaft gewerkschaftlich organisiert. Doch diejenigen, die ihr Ohr an der Basis haben, wissen, dass die Angst um die Zukunft auch ihre Streikbereitschaft lähmt. Druck ja, ein langer Arbeitskampf nein, lautet die Devise.

Diese Haltung könnte auch die VW-Konzernspitze uneingeschränkt unterschreiben. Sie kann sich weder ein Nachgeben noch einen längeren Streik leisten. Denn eine Blockade der Wolfsburger Zentrale würde innerhalb kurzer Zeit den Konzern lahm legen. Eine Senkung der bereits schwachen Ergebnisprognose wäre für den Kapitalmarkt ein fatales Signal. Stärke und Unnachgiebigkeit dagegen werden von den Analysten und den Anteilseignern geliebt. Das alles deutet darauf hin, dass zwar massive Warnstreiks unausweichlich sind, vor einem zermürbenden und Geld vernichtenden Streik jedoch eine Einigung steht.

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