Kommentar
Warum Sanierungen ein Umbruch sein können

Schlecker, Manroland, Q-Cells: In Deutschland gehen reihenweise Unternehmen pleite. Das ist aber oft ihr eigener Fehler: Sie scheitern an ihrem Geschäftsmodell. Dabei kann eine frühzeitige Umstrukturierung Firmen retten.
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Es erinnert ein wenig an die Geschichte der Comic-Helden Asterix und Obelix. „Ganz Deutschland ist im Wachstumstaumel. Ganz Deutschland? Nein!“ Der Hoffnungswert Q-Cells ist pleite, der Traditionskonzern Manroland auch. Die Drogeriekette Schlecker siecht dahin. Licht-Spezialist Osram streicht jede zehnte Stelle, der Versandhändler Neckermann halbiert seine Belegschaft. Nokia-Siemens-Networks versenkt eine Milliarde Euro und streicht 17 000 Arbeitsplätze. Der Spanplattenhersteller Pfleiderer kämpft ums Überleben. Selbst der Dax-Konzern Thyssen-Krupp ist wegen seines missglückten Amerika-Investments ein Sanierungsfall.

Deutschland ist zweifellos die Wohlstandsinsel inmitten kriselnder Nachbarländer. Selbst im europaweiten Abschwungjahr 2012 steigt die Wirtschaftsleistung, brummt der Export, sinken die Arbeitslosenraten, explodieren die Steuereinnahmen. Trotz der anhaltend positiven wirtschaftlichen Entwicklung bleiben offenbar mehr Unternehmen auf der Strecke als selbst in Zeiten der letzten Rezession. Zumindest scheinen mehr bekannte Namen in Schwierigkeiten zu sein als in der Vergangenheit. Das Bild trügt vielleicht ein wenig. Die Zahl der Unternehmenspleiten insgesamt pendelt um 30 000, nicht viel weniger, aber auch nicht mehr als zu schlechten Zeiten.

Die auffallend große Zahl an prominenten Pleite- und Sanierungsfällen zeigt aber, dass hinter dem eigentlich klaren Aufwärtstrend der deutschen Industrie Umbrüche stattfinden, die nur auf den ersten Blick so gar nicht zum positiven Bild passen wollen. Tatsächlich aber steckt hinter jedem einzelnen Fall auch ein spezielles Problem. Schlecker etwa scheiterte an seinem Geschäftsmodell. Das Überleben über ein Schneeballsystem stetiger Filialexpansion zu sichern konnte nicht gut gehen. Die Chancen, für Schlecker einen Investoren zu finden, stehen deshalb schlechter, als die Sanierer einräumen.

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