Kommentar
Warum Ursula Piëch eine gute Wahl ist

Es ist gegen die Regeln der Corporate Governance, es riecht nach Vermischung von Privatem und Firmeninteressen. Trotzdem könnte die Berufung von Ferdinand Piëchs Frau in den Aufsichtsrat sogar ein Glücksfall für VW sein.
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Der Protest einiger Fondsmanager lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Berufung von Ursula Piëch in den Aufsichtsrat von VW sei „ein schlechtes Beispiel für andere Unternehmen“ und eine „Vermengung persönlicher Interessen mit Firmeninteressen“.

Ja klar, von der Papierform her besteht die Qualifikation von Ursula Piëch darin, dass sie die Ehefrau von Ferdinand Piëch ist. In der offiziellen Einladung zur Hauptversammlung wird ihr Beruf mit „Kindergärtnerin und Horterzieherin mit zusätzlichem Prüfungsfach Wirtschaft und Recht (derzeit kein ausgeübter Beruf)“. Das ist nicht die Ausbildung, die zur Aufsichtsrätin prädestiniert.

Doch andererseits ist sie seit 30 Jahren nicht nur Ehefrau sondern auch engste Beraterin des obersten Strategen von VW. Und Ferdinand Piëch ist nicht nur ein begnadeter Machtmensch, sondern er hat in den vergangenen Jahren auch bewiesen, dass ihm der langfristige Erfolg des Unternehmens mehr am Herzen liegt als manch einem der Fondsmanager, die sich jetzt aufregen. Schließlich spürt er den Erfolg des Unternehmens als Miteigentümer auch ganz praktisch in der eigenen Kasse. Da sollte man ihm auch zutrauen, dass er weiß, was er tut, wenn er seine Ehefrau an so wichtiger Stelle mit in die Verantwortung nimmt.

Und letztlich läuft auch das Lamento über die Verletzung der Corporate-Governance-Regeln ins Leere. Denn mit einem zusammengerechneten Anteil der Familien Porsche und Piëch von über 50 Prozent ist VW ein Familienunternehmen – und da ist es nicht verwunderlich, wenn die Familie auch das Sagen hat.

Kommentare zu " Kommentar: Warum Ursula Piëch eine gute Wahl ist"

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  • Wenn man bedenkt welche ausgezeichneten Qualifikationen die Manager unserer Banken ausgewiesener Weise hatten und haben und dann sieht welche Katastrophen diese, ja dann sehenden Auges, produziert haben, dann fragt man sich ob es eine schwäbische Hausfrau nicht besser gemacht hätte mit gesundem Menschenverstand und Anstand. Qualifikation in Punkte Ausbildung scheint jedenfalls keine Garantie zu sein für anständiges und wertschöpfendes Agieren. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind würde ich mal Herrn Piech überlassen. Man baut wohl nicht so einen Konzern auf wenn man außer der Qualifikation für den Job nicht auch ein Auge für gute Manager hat. Und wen kennt er wohl besser als seine Gemahlin. Von Anzeichen beginnender Senilität berichten jedenfalls noch nicht mal die Neider des Herrn Piech.

  • Herr Kolf, selten so einen schwachen Artikel gelesen.
    Ich habe hübsche und intelligente weibliche Mitarbeiter gehabt, würde aber aus Prinzip kein Verhältnis mit einer Angestellten eingehen. Das sind schwache Charaktere. Mir sieht die neue Aufsichtsräten darüber hinaus etwas unbedarft aus, es kommt immer wieder der alte Spruch auf: Als Fachkraft isse 'ne Pflaume, aber als Pflaume 'ne ....
    Was die Leistung des P betrifft: Sie sollten sich mal die Ergebnisse von VW während seiner Amtszeit 1993 bis 2002 ansehen und mit denen des heutigen Chefs vergleichen, dann
    sehen Sie, was Erfolg heisst. Oder die Leistungen des Porsche Chefs, der zur gleichen Zeit startete und das Vermögen des "Patriarchen" steigerte: die ca. 12% des P
    an der fast pleiten Porsche AG waren 1993 ca. 135 Mio
    Euro wert, am Ende seiner Amtszeit 3,5 Milliarden.
    Das sind Unternehmer, die man bewundern sollte und nicht
    über Psychos schleimen wie fast die gesamte Presse.

  • Ja, der Autor vertritt eine sehr akzeptable Meinung. Mehr Unternehmer (Eigentümer/große Anteilseigner) sollten Verantwortung für Unternehmen tragen. Die Mentalität eines Forstunternehmers (langfristig denken) ist der Rennplatz-Mentalität eines Alktieninvestors vorzuziehen.

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