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Was Tesla sagt und sein Boss Elon Musk nicht

Tesla baut faszinierende und schnelle Elektroautos. Und jetzt will der Chef, Elon Musk, die Patente der noch jungen Firma allen zugänglich machen. Revolution im Autobau, Selbstvermarktung oder sinnloses Risiko?
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DüsseldorfIst es ein genialer PR-Schachzug des PR-Gotts Elon Musk, oder tatsächlich eine Revolution im Automobilbau? Der Tesla Motors-Chef hat jedenfalls in einem Blogbeitrag auf der Website des kalifornischen Elektroauto-Pioniers mitgeteilt, ab sofort auf die Durchsetzung der eigenen Patente zu verzichten. Das ist ein ungewöhnlicher Schritt, der laut Musk dazu dienen soll die Verbreitung seiner Technologie zu fördern.

Ob das passiert, weiß am Tag danach niemand. Was allerdings mit dem Blogeintrag bereits passiert ist, sieht so aus: Musk hat die nächste gigantische Werbeaktion für Tesla losgetreten. Dabei berichtet jeder über Musks neue Offenheit, aber nur wenige schauen genau hin, was Musk eigentlich angekündigt hat.

Wer den Blog genau liest, stellt fest: Tesla hat seine rund 160 Patente noch nicht völlig freigeben. "Tesla wird keine Patentklagen einreichen gegen andere, die in guten Absichten unsere Technologie nutzen möchten", schreibt Musk nur. Was er sich unter "guten Absichten" vorstellt, und wie man die im Streitfall definiert, schreibt er nicht. Die Erfindungen aus seinem Unternehmen stehen bislang jedenfalls unter keiner Open Source-Lizenz, die sie für andere nutzbar macht.

Ist das Ganze also nur eine große PR-Aktion, oder wird der visionäre Chef sogar zum Risiko für sein Unternehmen?

Für Elektroauto-Hersteller- und Käufer wird sich erst mal gar nichts ändern. Das unter anderem an der Nasdaq börsennotierte Unternehmen scheint den ganzen Akt noch nicht einmal für so geschäfts- und börsenrelevant zu halten, dass es bislang eine entsprechende Ad-hoc-Meldung oder offizielle Pressemitteilung herausgegeben hätte. Es geht also zunächst mal nur um einen Blogeintrag, mit dem es Musk aber einmal mehr gelingt, traditionelle Autohersteller altmodisch aussehen zu lassen.

Seinen Mitarbeitern, seinen Industriepartnern wie Daimler, und vielleicht bald auch BMW, vor allem aber seinen Aktionären ist Musk mehr schuldig, nämlich verbindliche Details. An der Börse werden Unsicherheiten gerne mal mit Kursverlusten bestraft. Und was passierte gestern im US- und heute im europäischen Handel mit der Tesla-Aktie? So gut wie nichts. Abschläge im Bereich von einem halben Prozent im US-Handel, minus 2,5 Prozent heute auf Xetra. Der Ölpreis steigt indes weiter, die Rohstoffmärkte scheinen nicht zu befürchten, dass das Ende des Benzinmotors bevorsteht.

Musks Absicht klingt gut, denn am Ende soll die ganze Welt davon profitieren, wenn Tesla Motors und andere Unternehmen E-Autos produzieren, die eine gemeinsame technische Basis aufweisen. Im Prinzip ist das nett.

Aber lässt man das techno-altruistische Geschwurbel mal beiseite, so waren Musks letzte PR-Maßnahmen doch bedeutend handfester. Er kann es einfach nicht lassen, die PR zur Chefsache zu machen. Und er kann es offenbar noch weniger lassen, die Firmen zu piesacken, mit denen er doch gleichzeitig Kooperationsgespräche führt.

Es wäre schade, allein wegen der bislang gebauten, absolut faszinierenden Tesla-Modelle, wenn so ein Schuss mal richtig nach hinten losgehen würde. Musk könnte dann aber immer noch mit seinem Röhrenprojekt Hyperloop unter die Erde, oder mit seiner Raumfahrt-Firma SpaceX  in unendliche Weiten ausweichen. Da ist viel Raum für Visionen und Ankündigungen.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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  • @derheuschreck. Nicht unbedingt! Meiner Meinung nach ist Herr Musk zu schnell zu reich geworden und deshalb glaubt er sich nun Gottgleich und sich das Recht raus nehmen zu können die Welt (wie er es meint) zu “verbessern” und den Nächsten (auch diejenigen , die ihn gar nicht danach gefragt haben) zu bekehren und glücklich zu machen. Nun solche Fälle hat es schon vor ihm gegeben. Z.B. Herr Luciano Benetton mit seiner widerlichen Werbekampagne mit der auch er glaubte sich das Recht raus nehmen zu dürfen den Nächsten zu bekehren. Nun der Nächste will sich aber nicht bekehren lassen und im Falle von Herrn Benetton musste der Gleiche dies schmerzlich erfahren...

  • Na, Sie haben ja ein tolles Menschenbild!
    Jeder, der nicht den Eigennutz zur obersten Maxime erhebt, ist also ein unrealistischer Spinner??!

  • Musk ist ein Visionär, aber kein unrealistischer Spinner. Wenn der etwas verschenkt, dann ist es wahrscheinlich nichts mehr wert. Sonst gäbe es auch Ärger mit den Aktionären.

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