Kommentar
Wechsel auf die Zukunft

Die beiden neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen machen alles eine Nummer kleiner. Aber sie machen nichts anders.
  • 2

„Seine Bank“, so sagt es Co-Chef Jürgen Fitschen, „soll wieder mehr in der Mitte ankommen.“ Das klingt nach grundsätzlichem Geraderücken von etwas, das verrutscht war, das schief ankam, das vom Kurs abgekommen war. Doch das Geraderücken ist bescheiden ausgefallen. Von Kurswechsel kann keine Rede sein.

Hauptziel der heutigen Veranstaltung zur neuen Strategie von Deutschlands größter Privatbank war, den Investoren klar zu machen, dass die Bank aus eigener Kraft ihr Kapital auf internationale Standards bringen wird. Die Sorge darum, dass das nur mit einer Kapitalerhöhung möglich sei, hatte wie Blei auf dem Aktienkurs gelastet. Die Bank hat nun bekräftigt, dass sie es tatsächlich selber schaffen und nicht an den Geldbeutel der Aktionäre will. Ihr Weg dahin ist allerdings alles andere als überraschend. Und er ist auch nicht sicher, solange die Bank nicht geliefert hat.

Die erste Ankündigung ist unredlich. Denn der demonstrative Verzicht auf ein Eigenkapitalrendite-Ziel von 25 Prozent vor Steuern, der jetzt gefeiert wird, den hatte Vorgänger Josef Ackermann schon ausgerufen. Was neu ist und Bescheidenheit markieren soll, sind jene 12 Prozent, die als Ziel ausgegeben werden. Dabei aber leise ein "nach Steuern" nachzuschieben, ist das Gegenteil von Transparenz. Die Bank fordert damit vielmehr dazu auf, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Auch die Beschränkung der Boni ist keine einsame Meisterleistung, die von besonderem Umdenken zeugt, sondern schlicht das, was rundherum in der Branche endlich üblich geworden ist. Die Gründung einer internen Bad Bank schließlich erleichtert es allenfalls den Aktionären zu erkennen, welche Problempapiere die Bank noch hält. Das Risiko für die Bilanz wird dadurch aber nicht kleiner. Ob es etwas bringt, bleibt unsicher. Und zwar bis 2015. Erst dann wollen die Frankfurter ihre selbstgesetzten Ziele erreicht haben.

Was fehlt, ist das klare Bekenntnis zu einer Abkehr vom unberechenbaren Investmentbanking, das nicht länger das wichtigste Standbein der Bank bleiben kann. Darum tobt doch die wahre Diskussion: Wie weit lassen sich Verluste im Investmentbanking so begrenzen, dass nicht die Kunden anderer Bereiche davon betroffen sind? Von Barack Obama bis Sigmar Gabriel gibt es Vorschläge dazu.

Nicht aber von der Deutschen Bank. Fitschen hat sich heute immer wieder zur Universalbank bekannt, aber eben keine Lösung dafür präsentiert, wie in seiner Universalbank Exzesse vermieden werden können. Die Konkurrenz von UBS bis JP Morgan zieht längst Konsequenzen aus der Debatte und stellt sich auf die eine oder andere Seite.

Bei der Deutschen Bank jedoch bleiben es Lippenbekenntnisse, wenn sich Jürgen Fitschen zu einem gestärkten Privatkundengeschäft bekennt. Aus dem Munde Jains zu erfahren, wie bescheiden er künftig den Beitrag des Investmentbankings zum Ergebnis der Bank beziffert - das wäre ein wahrer Knüller gewesen. Den aber hat die Bank nicht geliefert.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Wechsel auf die Zukunft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hört sich an wie ein Trostpflaster, für ein eventuelles ESM-gewogenes Urteil des BVerFG. Nach dem Motto:"Wenn die Bankster geloben sich zu bessern, kann man den ESM tolerieren." - Darauf falle ich nicht herein. Morgen wird sich zeigen, ob das BVerfG so unabhängig ist, wie man es überall beschreit, oder ob es ein Marionettengericht von Industrie- und Finanzkapital ist. So wie Marx es nannte: Die ökonomische Basis schafft sich einen ideologischen (incl. juristischen) Überbau.

  • Dieser Kommentar fordert den Widerspruch heraus! Warum soll sich die Deutsche Bank von einem Geschäftsmodell verabschieden, das sich trotz aller Schwierigkeiten auch in der Finanzkrise bewährt hat. Dazu gibt es keinen einleuchtenden Grund. EK-Renditen von 25% v. St. sind in absehbarer Zeit nicht erreichbar, das hat bereits Dr. Ackermann angekündigt, aber weshalb soll man nun von einem Vergleich "zwischen Äpfeln und Birnen" sprechen. Wer die ackermannsche Version nicht verstanden hat, wird auch die
    heute verkündete nicht kapieren. Die heute vorgestellten Pläne sind ein Zukunftsprojekt, und niemand weiß, was bis 2015 noch alles passiert. Daraus einen Vorwurf zu formulieren ist schon ziemlich daneben! Allerdings muss jedes Unternehmen eine Vision haben, sonst wird es vom Markt überrollt. Die künftigen Gehalts- u. Bonistrukturen werden kritisiert, obwohl Details noch fehlen. Und der Kommentar gipfelt dann darin, dass die DB sich möglicht vom Investmentbanking verabschieden soll. Dabei ausgerechnet Sigmar Gabriel als "Kronzeugen" zu benennen, kann nur ein sehr schlechter Witz sein! Deutschland braucht als führende Wirtschaftsnation wenigstens noch eine inländische Bank, die die Unternehmen weltweit begleiten kann. Aber da wird geheuchelt was das Zeug hält! Morgens suchen die Wirtschaftsführer den Rat der Bank, und abends fordern sie ein Trennbankensystem! Aber über zusätzliche Kosten würden sich dann ALLE beschweren. Kurzum, die Deutsche Bank hat Veränderungen angekündigt und wird auch liefern, denn jede Abweichung bedeutet einen erneuten Vertrauensverlust! Ob die nun vorgestellte Strategie aufgeht wird sich 2015 zeigen, und nicht heute oder morgen! Die heutige Kursentwicklung stützt den Weg, also warten wir ab!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%