Kommentar
Weg mit der Eigenheimzulage

Die Eigenheimzulage muss weg. Endlich hat das Bundeskabinett einmal Nägel mit Köpfen gemacht. Deutschlands größte Subvention soll ersatzlos gestrichen werden. Hoffentlich ist der Mut von Dauer und die Bundesregierung kippt nicht noch einmal um.

Denn Bau-Lobbyisten und politische Opposition laufen Sturm gegen die geplante Abschaffung. Die Argumente sind dabei immer die gleichen. Die Bauwirtschaft droht wieder einmal mit dem Verlust tausender Arbeitsplätze. Für die Opposition ist das vermeintlich populistische Nein zur Abschaffung Wahlkampfmunition.

Wider besseres Wissen. Denn die Eigenheimzulage hat ihre Dienste getan. Kein Häuslebauer wird sich nur wegen der Zulage für das Bauen entscheiden. Sie ist lediglich ein willkommenes Zubrot, das man gerne mitnimmt. Das zeigt die augenblickliche Scheinblüte im Wohnungsbau sehr deutlich. Wegen der geplanten Streichung versuchen viele Häuslebauer, sich noch schnell die volle Zulage nach altem Recht zu sichern. Doch grundsätzlich gilt: Wer ein Haus bauen will, braucht keine staatliche Prämie, sondern preiswerte Grundstücke, bezahlbare Handwerker und eine solide Finanzierung.

Und: Ohne die Zulage könnte Bauen preiswerter sein - auch wenn das alle, die am Bau verdienen, von den Banken über die Makler bis zu den Baufirmen und Handwerkern heftig abstreiten. Doch die Zulage verzerrt das Preisniveau. Ihre Streichung wird zu mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb führen.

Auf der anderen Seite hat die Politik auch eine Lenkungsfunktion. Nicht das Häuschen im Grünen und die Zersiedelung der Landschaft muss in Zukunft das Ziel sein, sondern die Belebung der Innenstädte und die Sanierung des alten Wohnungsbestands. Insbesondere die Bürgermeister von Kleinstädten können ein Liedchen davon singen, wie ihre Innenstädte nach und nach herunterkommen. Wer es sich leisten kann, zieht an den Stadtrand ins Grüne. Eine Entwicklung, die die Eigenheimzulage fördert. Damit muss Schluss sein.

Dass die Abschaffung der Eigenheimzulage Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft vernichtet, ist eine Horror-Geschichte. Damit macht die Lobby Eindruck in Berlin. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung ist der Bau von Einfamilienhäusern aber ohnehin rückläufig. Werden die frei werdenden Gelder außerdem wie geplant auch in die Modernisierung der Städte gesteckt, werden ganz im Gegenteil sogar Arbeitsplätze geschaffen.

Die Baubranche ist daher besser beraten, nicht zu jammern, sondern kräftig mit anzupacken. Sie hatte sich an die Subvention gewöhnt und dabei vergessen, ihre Hausaufgaben zu machen und sich dem Strukturwandel in der Branche zu stellen.

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