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Kommentar: Wege aus der Alarmismus-Falle

Spanien ist das neue Griechenland und die Krisenmanager handeln viel zu lax: Amerikaner wie Kanadier dramatisieren bei der IWF-Tagung die Krise in der Euro-Zone – und will so auch von eigenen Problemen ablenken.

Das eigentliche spanische Problem hat weniger mit Fakten als mit Psychologie zu tun. Quelle: dpa
Das eigentliche spanische Problem hat weniger mit Fakten als mit Psychologie zu tun. Quelle: dpa

WashingtonLiest man allein die Verlautbarungen der Amerikaner und Kanadier während der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF), könnte man die Euro-Krise auf einem neuen dramatischen Höhepunkt vermuten. Washington wie Ottawa beschreiben die Lage der Euro-Zone in düsteren Farben, porträtieren Spanien als neues Griechenland und beklagen ein angeblich viel zu laxes Engagement der europäischen Krisenmanager. Mehr noch: Statt sich auf die eigenen finanziellen Ressourcen zu besinnen, bedienten sich die Europäer bequemerweise aus den Mitteln anderer.

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Der kanadische Finanzminister Jim Flaherty grübelte phasenweise sogar über eine Art Vetorecht der Nicht-Europäer im Internationalen Währungsfonds (IWF), um den europäischen Begehrlichkeiten einen Riegel vorzuschieben.

Doch das ist – mit Verlaub, Herr Flaherty – Unsinn. Addiert man die 150 Milliarden Euro dazu, mit denen Europa die neue Brandmauer des IWF ausstattet, dann summieren sich die gesamten europäischen Krisenmaßnahmen auf 1,164 Billionen Euro oder 1,5 Billionen Dollar. Und auch ohne den IWF verfügt Europa nun mit den Rettungsschirmen EFSF, ESM, den Anleiheprogrammen der EZB und den bilateralen Vereinbarungen über eine beträchtliche eigene Feuerkraft. Natürlich weiß man nie, ob am Ende noch mehr Geld nötig ist. Doch zunächst wird Europa das vorhandene eigene Instrumentarium nutzen.

Eine differenzierte Betrachtung empfiehlt sich auch im Falle Spaniens – ein besonderer Streitpunkt der Tagung in Washington. Von der Iberischen Halbinsel sehen Nicht-Europäer bereits die nächste Riesengefahr für den Euro heraufziehen. Doch die Lage in Spanien lässt sich durchaus auch anders interpretieren. Und dies, ohne dass man die anhaltenden Strukturprobleme des Landes, die mit Sparkassen, Immobilien und regionaler Autonomie zu tun haben, herunterredet.

  • 23.04.2012, 15:03 UhrM.Koecher

    Wenn sogar in der NEON der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung unverklauselt sagen darf, dass im Grunde niemand weiß, warum das Finanzsystem noch nicht zusammengebrochen ist, spricht das für sich.

    Ebenso wie die kampflose Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst um 6,3%.

    Aber erst, wenn die Anleger wach werden und erkennen, dass der angeblich "sichere Hafen" ein Stück Treibholz ist, wird es "krachen".

    Möglicherweise sind die Massen der Anleger aber gar nicht soo dumm - warum Aktien halten und (etwa US-) Staatsanleihren meiden, wenn man für den Aktienwert ohnehin nur Zwangsanleihen aufgedrückt bekäme, wenn der Staat zahlungsunfähig wird...

  • 23.04.2012, 13:25 UhrMikeM

    Sie schreiben, dass die USA sagen, die Europäer bedienen sich der Mittel anderer (des IWF). Das ist aber nicht richtig. IWF-Kredite sind immer vorrangig zu anderen. Der IWF stellt immer nur soviel Geld, (z.B. 20%) wie mit Sicherheit wieder reinkommt. Dass die restlichen 80%, die die Deutschland bürgt, verloren sind, ist ja egal. Schlimmer noch: der IWF dient immer als Lockmittel. Wenn der IWF bürgt dann kann D ja nicht nein sagen. Ein perfides Spiel.

  • 23.04.2012, 13:12 Uhraspi

    "Das eigentliche spanische Problem ist indes ein anderes – und hat weniger mit Fakten als mit Psychologie zu tun...". Ein sehr treffender Artikel. Wenden Sie sich an ihre Berufskollegen in den führenden Wirtschafts- und Nachrichtenredaktionen, die mit geradezu zwanghafter Schwarzmalerei und Katastrophenszenarien die Haupttreiber der Krise sind, die tatsächlich vorwiegend eine psychologische ist. Den Menschen wird durch Angstszenarien der Mut genommen.

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