Kommentar Wenn Banken sturmreif werden

Gegen einen „Run“ auf Banken hilft keine Einlagensicherung. Es geht eher darum, einen solchen Ansturm im Vorfeld zu verhindern - was problematisch ist.
20 Kommentare
Lange Schlange am Geldautomaten: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn ein „Run“ wirklich verhindert werden soll. Quelle: ap

Lange Schlange am Geldautomaten: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn ein „Run“ wirklich verhindert werden soll.

(Foto: ap)

DüsseldorfWie kann man einen "Run" auf die Bankschalter verhindern? Diese Frage spielt immer wieder im Hintergrund eine Rolle, wenn sich die Euro-Krise zuspitzt. Wenn es Spekulationen über schwere Probleme im Bankensektor eines Landes gibt oder aber die Angst umgeht, das Land könne die Euro-Zone verlassen.

Das wichtigste Instrument, um Sparer von panischen Reaktionen abzuhalten, ist die Versicherung der Einlagen. Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank, hat vor kurzem bei einer Veranstaltung in Washington aber ganz klar gesagt, dass durch keine Einlagensicherung ein Sturm auf die Bankschalter zu verhindern sei, wenn die Panik einmal da sei. Seiner Meinung nach würde in einer derartigen Situation nur noch das helfen, was Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 getan hat: den Sparern ganz pauschal und nachdrücklich das Versprechen geben, alle Einlagen seien sicher.

Ob dieses Versprechen im Zweifel tatsächlich einzulösen wäre, ist eine andere Frage. Aber 2008 hat es funktioniert, und es sind Situationen denkbar, wo ein ähnliches Versprechen der letzte Versuch sein könnte, die Lage zu retten.

Hier zeigt sich erneut: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn es brenzlig wird. Es hängt allerdings alles von der Situation ab. Im Jahr 2008 hatte die Finanzbranche extrem an Vertrauen verloren. Gleichzeitig zweifelte kaum jemand an der Kreditwürdigkeit selbst der schwächeren Euro-Länder. Deswegen funktionierte Merkels Versprechen.

Frank Wiebe
Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Heute ist aber viel eher eine Situation denkbar, in der das Bankensystem eines schwachen Landes unter Druck gerät. Was könnte dann helfen? Wahrscheinlich nur eine gemeinschaftliche Erklärung aller wichtigen Regierungschefs im Euro-Raum, dass das betreffende Land im Euro bleibt und dass die Einlagen aller Sparer sicher sind. Mit so einer Erklärung hätten wir allerdings ganz plötzlich ein Ausmaß an gemeinsamer Haftung, das zumindest aus deutscher Sicht (und aus Sicht einiger anderer stabiler Staaten) niemand wirklich wollen kann. Auf der anderen Seite: Einen "Run" auf die Banken in einem Euro-Staat kann auch niemand wollen.

Eine Einlagensicherung sichert nicht wirklich gegen den schlimmsten Fall. Vor diesem Hintergrund ist es vernünftig, dass auf dem vergangenen Gipfel nicht beschlossen worden ist, europaweit ein gemeinsames Sicherungssystem einzuführen.

Es geht vielmehr darum, einen derartigen Ansturm schon im Vorfeld zu verhindern. Dieses Ziel konkurriert allerdings mit zwei anderen, die ebenfalls sehr wichtig sind. Einmal sollten die Finanzmärkte nicht künstlich in Narkose versetzt werden, sondern dazu beitragen, angeschlagene Länder auf Reformkurs zu halten, weil letztlich nur so die Euro-Zone zu retten ist. Maßnahmen wie Euro-Bonds oder der unbegrenzte Einsatz der Notenbank auf dem Markt für Staatsanleihen würden zwar die Sparer beruhigen, aber hätten genau diesen Narkose-Effekt.

Der zweite Zielkonflikt: Es wäre dringend zu wünschen, dass bei der Sanierung von Banken auch die Gläubiger ihren Anteil beisteuern. Solange in diesem Fall nicht glasklar ist, welche Gläubiger verzichten müssen (zum Beispiel die Eigner von nachrangigen Papieren) und wer geschützt ist (vor allem die normalen Sparer), würde aber jede Ankündigung einer derartigen Beteiligung auch gleich für große Unruhe sorgen. Insofern ist es gut, dass diese Beteiligung der Gläubiger bei den Gipfelbeschlüssen, die insgesamt ja doch nur die groben Strukturen aufzeigen, nicht erwähnt wird. Das sollte aber nicht verhindern, dieses Ziel im Nachgang dennoch energisch anzugehen.

Startseite

20 Kommentare zu "Kommentar: Wenn Banken sturmreif werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ..da haben Sie 100%ig Recht! Klar auf den Punkt gebracht.

    Dass die Gläubiger grundsätzlich VOLLUMFÄNGLICH das Verlustrisiko tragen ist selbstverständlich. Daher ist eine FRAGE nach einer Gläubigerbeteiligung an sich schon pervers. Die wesentliche Gläubigerbeteiligung ist selbstverständlich.

    Nicht selbstverständlich ist hingegen eine quasi nachträgliche Bürgschaft + Inanspruchnahme einer solchen zu Lasten von in- oder ausländischen Steuerzahlern/Klein- und Kleinstverdienern zugunsten irgendwelcher Gläubiger von Banken. Dies kann eigentlich nur ein Ausnahmefall sein, der von der Politik entsprechend BEGRÜNDET werden muss.

    ...in der Konsequenz bleibe ich allerdings dabei, das diesen Regeln entgegenstehende Verhalten unserer Politiker als HOCHVERRAT zu bezeichnen, da es durch Unvermögen nicht mehr zu erklären ist.

    Die Politik kriecht vor "den Märkten", die sie kontrollieren soll. Somit herrschen "die Märkte", also die Hochfinanz über 500 Millionen Europäer. Das ist krank.

    Auswege wurden aufgezeigt. Die Politik muss diese prüfen und durchsetzen.

  • "Insofern ist es gut, dass diese Beteiligung der Gläubiger bei den Gipfelbeschlüssen, die insgesamt ja doch nur die groben Strukturen aufzeigen, nicht erwähnt wird. Das sollte aber nicht verhindern, dieses Ziel im Nachgang dennoch energisch anzugehen."

    ..hier stimme ich entschieden zu.

    Aber: Warum Thematisieren Sie in diesem Zusammenhang nicht das Trennbankensystem?

  • Ein Einlagesicherungsfonds, selbst wenn es zu einer
    Bankenunion käme würde niemals ausreichen, im Krisenfall
    Kunden auszuzahlen. Das Szenaria wie es Marco 99 beschrieben hat ist durchaus realistisch. Nur die meisten
    Deutschen wollen dies nicht wahrhaben. Warum schließt man
    in GL nicht die Banken?Weil die dortige Notenbank täglich
    fleißig Euros druckt(ELA), damit die Bevölkerung ihr erspartes
    allessamt abheben kann. Sollten die Spanier auch auf die
    Idee kommen ihre Gelder abzuheben, dann müsste die EZB
    einschreiten. Der Bankenrun würde beginnen. Hoffen wir,
    dass es nicht dazu kommt! Eine gemeinsame Bankenunion
    macht keinen Sinn,weil wir Deutschen nicht für die Misswirtschaften in den Südländern verantwortlich sind.
    Ich hoffe, Sie können noch gut schlafen.
    MfG
    Walter Schmid



  • Herr Wiebe, warum nutzen Sie nicht die Sommerferien und machen sich gleich vor Ort ein Bild über die Wirksamkeit des sog. Reformkurses. Damit es nicht zu teuer wird, sollten Kurztrips nach Griechenland und Island ausreichen. Spätestens dann müsste es Ihnen als Wirtschaftsfachmann klar werden, dass ohne eine Umverteilung der Vermögen von oben nach unten sowie eine dauerhafte Narkotisierung der Finanzmärkte nur noch zwei Optionen realistisch sind: ein Zusammenbruch des Euro oder eine krasse Zunahme protektionistischer Maßnahmen. Die Masse der Europäer hat leider wenig Lust, wie ein Chinese zu schuften. Nicht gerade rosige Aussichten für eine Exportnation, die sich selbst in einem Jahr wie 2009 als absolut unfähig erwiesen hat, ihrem Geschäftsmodell ein stabileres Fundament zu verpassen...

  • ...die ganze Diskussion zeigt, wie verletzlich die Banken eigentlich sind....würde man, villeicht durch die Occupy-Bewegung organisiert, suksessive Kontoinhaber von jeweils der Bank dazu bewegen, ihr Bargeld abzuheben, welche gerade den größten Unsinn treibt, würden diese recht schnell reagieren und in einem Wettbewerb um Kunden, höhere Zinsen und bessere Konditionen anbieten....die Banken leihen sich für 0% Geld, geben als Sicherheit die Sparanlagen ihrer Kunden an, spekulieren sich damit reich und wenn es schief geht...naja, springt ja der Staat ein! Für gliehenes Geld muß man mindestens 6% Zahlen, die Banken vergüten die Spareinlagen mit max mit 2%...das schreit alles so zum Himmel und nur die Masse der Kunden zusammen wäre in der Lage, faire Bedingunngen zu erzwingen! Also: Einfach mal anfangen, zumindest regional mal eine Bank komplett zu boykottieren!!!

  • Versuchen sie es doch einfach mit Fremdwährungskonten und Aktien bester Bonität, Schweizer Aktien, norwegische Aktien, Australien, Canada, können auch ein paar wirklich gute deutsche Aktien sein. Auch nach einem Fiasko geht es wieder weiter. Wenn auch von vorne.

  • Der Euro zerbricht daran, dass der Finanzmarkt Spanien und Italien kein Geld mehr gibt? Unsinn, ein gehauchtes "Eurobonds" aus Berlin und die ganze Krise ist innerhalb von Minuten beendet. Wir wissen, dass Schäuble so lang wie es nur irgendwie geht keiner Fiskal-,Banken-,Transferunion zustimmt. Und wenn es nicht mehr geht, dann stimmt er nur hier und dort und nur ein kleines bisschen zu.

    Die Gefahr in diesem Weg besteht in einer - den Zustand der andauernden Anspannung auflösenden - Vertrauensimplosion. Es reicht ein Funke, vielleicht eine Belanglosigkeit. Aber spätestens wenn die Bilder von Menschenschlangen von geschlossenen Bankschaltern irgendwo vom Mittelmeer über Twitter & Facebook gehen, millionenfach weitergeleitet werden, gehen innerhalb von 24 Stunden in ganz Europa die Lichter aus. Die Leute werden ausrasten. Sie werden morgens aufstehen und abends begreifen, dass sie dumme Lemminge waren. Sie werden KEIN GELD mehr bekommen. Die Automaten außer Betrieb, die Schalter geschlossen, das Homebanking unerreichbar. Das Unfassbare ist eingetreten. Nur die schnellsten 5% haben ihr Geld bekommen. Strassenschlachten, Plünderungen, Militär. In der ARD läuft eine Endlosschleife: Es ist eine Aufzeichnung einer Anprache von Merkel, neben ihr sitzt Schäuble, sie sagt: "Ihr Geld ist sicher". Ausgehend von den Metropolen der Mittelmeerländer wird die zivile Ordnung auch in den zentraleuropäischen Großstädten zusammenbrechen. Alle internationalen Zahlungsströme kommen zum Erliegen. Innerhalb von Tagen ist klar, dass praktisch alle großen Banken der Euro-Zone zahlungsunfähig sind. Schockwellen durchlaufen den Planeten. Es ist....die finale finanznukleare Kernschmelze. Und sie kann MORGEN eintreten. Oder nächsten Monat. Oder nächstes Jahr. Nur dass sie kommt ist so sicher wie der nächste Winter. Aber diesmal läuft es auf globaler Ebene.. es wird ein noch nie dagewesener, ein nuklearee Winter sein.

  • Bargeld unter die Matratze zu stecken macht fuer die Griechen Sinn, aber nicht fuer die Deutschen. Sollte es zu Massnahmen wie dem Umtausch in neue Scheine kommen, egal ob DM oder neue Euro, schaut man mit seinem alten Bargeld dann dumm aus der Waesche. Auch der Umtausch von allem Geld in Gold und Silber macht keinen Sinn, weil man unter Umstaenden damit rechnen muss, dass der Privatbesitz von Gold und Silber verboten wird. Diversifizieren ja, aber sein ganzes Geld abheben ist wie sein Handtuch auf den Hundehaufen legen, siehe easyway weiter oben ;-)

  • @ broadarrow
    Die Leute sehen's im Fernsehen und glauben trotzdem nicht.

    Ich war schwimmen an einem beliebten See. Hunde verboten, richtet sich natürlch kein Hundehalter nach.
    Das Vieh machten einen großen Haufen auf den Rasen und der Halter verdrückte sich.
    Leute kamen, ich warnte sie, trotzdem legten sie ihr Handtuch drüber uns setzten sich mitten rein.

    An einem anderen beliebten See paddelte ich morgens früh gemütlich durch die Wellen. Plötzlich glotzte mich eine monsteröse Bisamratte an. Ich legte den Kralugang ein.
    Am Ufer tauchte sie erneut auf und verschwand in der Böschung.
    Leute kamen, ich warnte sie, sie setzten sich genau auf den Rattenbau.

    Seither gehe ich nur noch ins Schwimmbad. Soviel zum Zuhören und der Intelligenz der Deutschen.

  • Runs auf Banken wurden einfach dadurch verhindert, dass die Banken alle Schalter geschlossen haben oder gar Bankfeiertage ausgerufen wurden. Danach wurden nur geringe Abhebungen erlaubt. Wurde ja schon oefters vorgefuehrt. Noch nicht so lange her in Suedamerika.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%