Kommentar
Wenn Banken sturmreif werden

Gegen einen „Run“ auf Banken hilft keine Einlagensicherung. Es geht eher darum, einen solchen Ansturm im Vorfeld zu verhindern - was problematisch ist.
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DüsseldorfWie kann man einen "Run" auf die Bankschalter verhindern? Diese Frage spielt immer wieder im Hintergrund eine Rolle, wenn sich die Euro-Krise zuspitzt. Wenn es Spekulationen über schwere Probleme im Bankensektor eines Landes gibt oder aber die Angst umgeht, das Land könne die Euro-Zone verlassen.

Das wichtigste Instrument, um Sparer von panischen Reaktionen abzuhalten, ist die Versicherung der Einlagen. Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank, hat vor kurzem bei einer Veranstaltung in Washington aber ganz klar gesagt, dass durch keine Einlagensicherung ein Sturm auf die Bankschalter zu verhindern sei, wenn die Panik einmal da sei. Seiner Meinung nach würde in einer derartigen Situation nur noch das helfen, was Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 getan hat: den Sparern ganz pauschal und nachdrücklich das Versprechen geben, alle Einlagen seien sicher.

Ob dieses Versprechen im Zweifel tatsächlich einzulösen wäre, ist eine andere Frage. Aber 2008 hat es funktioniert, und es sind Situationen denkbar, wo ein ähnliches Versprechen der letzte Versuch sein könnte, die Lage zu retten.

Hier zeigt sich erneut: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn es brenzlig wird. Es hängt allerdings alles von der Situation ab. Im Jahr 2008 hatte die Finanzbranche extrem an Vertrauen verloren. Gleichzeitig zweifelte kaum jemand an der Kreditwürdigkeit selbst der schwächeren Euro-Länder. Deswegen funktionierte Merkels Versprechen.

Heute ist aber viel eher eine Situation denkbar, in der das Bankensystem eines schwachen Landes unter Druck gerät. Was könnte dann helfen? Wahrscheinlich nur eine gemeinschaftliche Erklärung aller wichtigen Regierungschefs im Euro-Raum, dass das betreffende Land im Euro bleibt und dass die Einlagen aller Sparer sicher sind. Mit so einer Erklärung hätten wir allerdings ganz plötzlich ein Ausmaß an gemeinsamer Haftung, das zumindest aus deutscher Sicht (und aus Sicht einiger anderer stabiler Staaten) niemand wirklich wollen kann. Auf der anderen Seite: Einen "Run" auf die Banken in einem Euro-Staat kann auch niemand wollen.

Eine Einlagensicherung sichert nicht wirklich gegen den schlimmsten Fall. Vor diesem Hintergrund ist es vernünftig, dass auf dem vergangenen Gipfel nicht beschlossen worden ist, europaweit ein gemeinsames Sicherungssystem einzuführen.

Es geht vielmehr darum, einen derartigen Ansturm schon im Vorfeld zu verhindern. Dieses Ziel konkurriert allerdings mit zwei anderen, die ebenfalls sehr wichtig sind. Einmal sollten die Finanzmärkte nicht künstlich in Narkose versetzt werden, sondern dazu beitragen, angeschlagene Länder auf Reformkurs zu halten, weil letztlich nur so die Euro-Zone zu retten ist. Maßnahmen wie Euro-Bonds oder der unbegrenzte Einsatz der Notenbank auf dem Markt für Staatsanleihen würden zwar die Sparer beruhigen, aber hätten genau diesen Narkose-Effekt.

Der zweite Zielkonflikt: Es wäre dringend zu wünschen, dass bei der Sanierung von Banken auch die Gläubiger ihren Anteil beisteuern. Solange in diesem Fall nicht glasklar ist, welche Gläubiger verzichten müssen (zum Beispiel die Eigner von nachrangigen Papieren) und wer geschützt ist (vor allem die normalen Sparer), würde aber jede Ankündigung einer derartigen Beteiligung auch gleich für große Unruhe sorgen. Insofern ist es gut, dass diese Beteiligung der Gläubiger bei den Gipfelbeschlüssen, die insgesamt ja doch nur die groben Strukturen aufzeigen, nicht erwähnt wird. Das sollte aber nicht verhindern, dieses Ziel im Nachgang dennoch energisch anzugehen.

Kommentare zu " Kommentar: Wenn Banken sturmreif werden"

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  • ..da haben Sie 100%ig Recht! Klar auf den Punkt gebracht.

    Dass die Gläubiger grundsätzlich VOLLUMFÄNGLICH das Verlustrisiko tragen ist selbstverständlich. Daher ist eine FRAGE nach einer Gläubigerbeteiligung an sich schon pervers. Die wesentliche Gläubigerbeteiligung ist selbstverständlich.

    Nicht selbstverständlich ist hingegen eine quasi nachträgliche Bürgschaft + Inanspruchnahme einer solchen zu Lasten von in- oder ausländischen Steuerzahlern/Klein- und Kleinstverdienern zugunsten irgendwelcher Gläubiger von Banken. Dies kann eigentlich nur ein Ausnahmefall sein, der von der Politik entsprechend BEGRÜNDET werden muss.

    ...in der Konsequenz bleibe ich allerdings dabei, das diesen Regeln entgegenstehende Verhalten unserer Politiker als HOCHVERRAT zu bezeichnen, da es durch Unvermögen nicht mehr zu erklären ist.

    Die Politik kriecht vor "den Märkten", die sie kontrollieren soll. Somit herrschen "die Märkte", also die Hochfinanz über 500 Millionen Europäer. Das ist krank.

    Auswege wurden aufgezeigt. Die Politik muss diese prüfen und durchsetzen.

  • "Insofern ist es gut, dass diese Beteiligung der Gläubiger bei den Gipfelbeschlüssen, die insgesamt ja doch nur die groben Strukturen aufzeigen, nicht erwähnt wird. Das sollte aber nicht verhindern, dieses Ziel im Nachgang dennoch energisch anzugehen."

    ..hier stimme ich entschieden zu.

    Aber: Warum Thematisieren Sie in diesem Zusammenhang nicht das Trennbankensystem?

  • Ein Einlagesicherungsfonds, selbst wenn es zu einer
    Bankenunion käme würde niemals ausreichen, im Krisenfall
    Kunden auszuzahlen. Das Szenaria wie es Marco 99 beschrieben hat ist durchaus realistisch. Nur die meisten
    Deutschen wollen dies nicht wahrhaben. Warum schließt man
    in GL nicht die Banken?Weil die dortige Notenbank täglich
    fleißig Euros druckt(ELA), damit die Bevölkerung ihr erspartes
    allessamt abheben kann. Sollten die Spanier auch auf die
    Idee kommen ihre Gelder abzuheben, dann müsste die EZB
    einschreiten. Der Bankenrun würde beginnen. Hoffen wir,
    dass es nicht dazu kommt! Eine gemeinsame Bankenunion
    macht keinen Sinn,weil wir Deutschen nicht für die Misswirtschaften in den Südländern verantwortlich sind.
    Ich hoffe, Sie können noch gut schlafen.
    MfG
    Walter Schmid



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