Kommentar
Wünsche an Washington

Amerika macht es seinen Freunden nicht immer leicht. Die US-Verfassung überträgt dem Präsidenten der stärksten Nation der Welt eine große Macht.

In Zeiten der unmittelbaren Gefahr, wie nach dem 11. September, setzen die Amerikaner fast grenzenloses Vertrauen in das Amt und seine Person. Alexis de Tocqueville schrieb aber schon 1835 in seinem Buch „Über die Demokratie in Amerika“, nur Gott könne „ohne Gefahren allmächtig sein“. George W. Bush geriet in die Fallgruben der absoluten Überlegenheit, weil er sie nicht sehen wollte.

Viele Europäer ziehen daraus vor den Wahlen am Dienstag allerdings den verkehrten Schluss: Sie träumen von einem schwächeren Amerika, das sich künftig besser „einbinden“ und „ausbalancieren“ lässt. Dabei sollten wir uns vom nächsten US-Präsidenten nicht weniger, sondern eher mehr Leadership im Kampf gegen den islamistischen Terror wünschen. Osama Bin Ladens jüngste Botschaft zeigt die Unmittelbarkeit der Gefahr. Der wirkliche Fehler der „Bushisten“ war nicht ihr Führungsanspruch, sondern ihre Unfähigkeit, die Verbündeten gegen einen gemeinsamen Feind zusammenzuschließen.

Erfolgreich wird der „war against terror“ nur sein, wenn sich die Amerikaner auch wieder auf die Werte der individuellen Freiheit besinnen, die dieses Land groß gemacht haben. „Kein individuelles Recht ist so unwichtig, dass man es ungestraft der Willkür ausliefern dürfte“ – auch diese Erkenntnis nahm der 30-jährige Tocqueville aus Amerika mit. Glaubwürdig führen kann der nächste Präsident nur, wenn diese Prinzipien gerade im Kampf gegen den Terror gelten.

Auch für die Weltwirtschaft sollte sich „Old Europe“ nicht weniger, sondern mehr Führung vom nächsten Präsidenten erhoffen. Auf den globalen Märkten haben sich durch Amerikas Haushalts- und Handelsbilanzdefizit, durch den nierigen Dollar-Kurs und die hohen Erdölpreise gefährliche tektonische Verwerfungen aufgebaut. Egal ob Bush oder Kerry: Der künftige Präsident muss in den nächsten vier Jahren Probleme lösen, die eher noch größer sind als in den vier vergangenen. Er sollte es gemeinsam mit uns tun.

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