Kommentar
Youtubes Attacke wird zur Gefahr für Privatkanäle

Der Online TV-Dienst wurde von den etablierten Fernsehsendern bislang nicht ernst genommen. Nun will Youtube eigene Kanäle einrichten - und könnte RTL sowie Pro Sieben Sat 1 im Digitalgeschäft das Wasser abgraben.
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Als vor sieben Jahren die Online-Videothek Youtube an den Start ging, ahnte kaum jemand, dass die kalifornische Firma Mediengeschichte schreiben würde. Heute ist sie die größte audiovisuelle Plattform der Erde. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Pro Minute werden rund 50 Stunden Videomaterial auf Youtube geladen. Lange Zeit wurden die privaten Videos mit den unscharfen Ruckelbildern von den Fernsehkonzernen mitleidig belächelt.

Doch das ist mittlerweile passé. Die Google-Tochter steigt zum gefährlichen Gegner der Fernsehsender auf: Seit wenigen Wochen bietet der Konzern erstmals komplette Kinofilme und Dokumentationen an. Noch ist das Angebot sehr überschaubar. Das soll sich aber bald ändern. Denn Youtube setzt auf exklusive Inhalte, sogar auf eigene Kanäle und spricht hierzulande bereits mit großen TV-Produzenten wie Endemol („Big Brother“) oder Brainpool („Stefan Raab“).

Mit seinem Vorstoß, Filme und Reportagen komplett verfügbar zu machen, bringt Youtube die privaten Fernsehkonzerne in Bedrängnis. Denn die Gratis-Angebote auf der werbefinanzierten Plattform drohen die Pläne von RTL und Pro Sieben Sat 1 zunichtezumachen, mit digitalen Bezahlinhalten in Zukunft richtig Geld zu verdienen.

Um Youtube die Stirn bieten zu können, bräuchten die Privaten eine gemeinsame, werbefinanzierte Online-Videothek. Doch genau das wurde ihnen kürzlich vom Oberlandesgericht Düsseldorf verboten. Die Richter gaben damit dem Kartellamt recht, das die Plattform zuvor aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verboten hatte. Das Votum ist fragwürdig, da ARD und ZDF eine Online-Videothek erlaubt wurde. Das Gebührenfernsehen wird mit privaten Investoren noch in diesem Jahr eine eigene Online-Videothek mit dem Arbeitstitel „Germany's Gold“ an den Start bringen - eine Art öffentlich-rechtliches Youtube.

Der Unmut bei RTL und Pro Sieben Sat 1 über die Düsseldorfer Entscheidung ist nachvollziehbar. Denn von fairem Wettbewerb kann keine Rede sein. Während Youtube von keiner Landesmedienanstalt kontrolliert wird, kämpfen RTL und Pro Sieben Sat 1 mit verkrusteten Überwachungsinstanzen, die noch aus dem analogen Zeitalter stammen.

Wenn Youtube mit seinen Plänen Ernst macht, nicht nur Filme kostenlos in voller Länge zu zeigen, sondern künftig auch eigene Sender mit deutschen Produktionen aufzubauen, müssen sich die traditionellen Fernsehsender warm anziehen. Denn mit dem Youtube-Angebot drohen ihnen vor allem die für die Werbewirtschaft attraktiven jungen Zielgruppen abhandenzukommen. Die wirtschaftlichen Folgen wären fatal.

Um einen fairen Wettbewerb zu garantieren, müssen Bund und Länder endlich handeln. Den privaten Sendern sollte erlaubt sein, was Google über Youtube längst darf - nämlich eine gemeinsame Videoplattform zu betreiben, die sich über Werbung finanziert. Die bisherige engstirnige Auslegung des Wettbewerbsrechts ist anachronistisch. Sie erweist der Medienvielfalt in Deutschland einen Bärendienst.

Der Autor ist erreichbar unter: siebenhaar@handelsblatt.com

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Schon toll, dass die Öffentlich Rechtlichen ihren Dienst „Germany's Gold“ nennen. Am Besten auch gleich die Deutsche Welle in "German Wave" umbenennen. Am konsequentesten und billigsten für uns alle wäre es aber, den Gebührenrundfunk dann gleich komplett einzustellen und an Google "outzusourcen".

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