Kommentar
Zittern in Zypern

Die Euro-Zone lässt offen, ob sie Bank-Kunden in Zypern zur Kasse bittet. In anderen Krisenländern hat die EU bewusst darauf verzichtet. Im Falle Zyperns legt sie sich nicht fest und schafft damit neue Unsicherheit.
  • 22

Zypern hat es nun schriftlich: Der Inselstaat wird einen Kredit von der Euro-Zone bekommen. Die Eurogruppe erklärte sich am Freitag "bereit, Zypern in seinem Anpassungsprozess zu unterstützen". In der zweiten März-Hälfte könne man das Hilfsprogramm für das kleine Mittelmeer-Land wahrscheinlich beschließen, heißt es in der kurzen Erklärung der Minister. Im Gegenzug verpflichtete sich Zypern, den Kampf gegen die Geldwäsche von unabhängigen Experten vor Ort überprüfen zu lassen. Damit soll nun ein privates Unternehmen beauftragt werden.

So weit, so unklar. Denn die eigentliche Frage, um die sich in Zypern alles dreht, hat der neue Eurogruppen-Chef Dijsselbloem trotz mehrfacher Nachfragen nicht beantwortet: Sind die großen Vermögen auf zyprischen Banken noch sicher? Oder müssen sich die Inhaber großer Konten an den Kosten der Sanierung der zyprischen Banken beteiligen?

Die Frage ist in der Euro-Zone heiß umstritten. Und die Front verläuft - wieder einmal - zwischen den von Deutschland angeführten finanzstarken Ländern auf der einen Seite und den Krisen-Staaten auf der anderen. Das betroffene Zypern selbst wehrt sich mit aller Macht dagegen, die Kunden seiner Banken zur Kasse zu bitten. Die Regierung in Nikosia befürchtet durchaus zu Recht, dass wohlhabende Anleger Zypern dann verlassen und nie mehr zurückkehren. Auch die EU-Kommission ist skeptisch. In Spanien und Irland habe man aus gutem Grund darauf verzichten, die bei den Krisen-Banken angelegten Vermögen zu konfiszieren, heißt es in der EU-Behörde. Denn damit hätte man wohlhabende Anleger dauerhaft verschreckt und für die Volkswirtschaft wichtiges Kapital verloren.

Wieso das in Zypern nun plötzlich anders sein soll, bleibt das Geheimnis des deutschen Finanzministers. Es ist nämlich vor allem Wolfgang Schäuble, der an Zypern ein Exempel statuieren will. Dafür gibt es wohl zwei Gründe. Zum einen ist Zypern ein sehr kleines Land und kann sich folglich schlechter als andere gegen das große Deutschland wehren. Zum anderen haben russische Oligarchen Geld in Zypern angelegt. Und wenn man reichen Russen Geld wegnimmt, dann gibt es dafür in Deutschland viel Applaus - im Wahljahr kein unwichtiger Faktor.

Populismus im Bundestagswahlkampf ist allerdings kein guter Ratgeber für das Krisenmanagement in der Euro-Zone. Wer das russische Kapital aus Zypern vertreibt, schwächt die Wirtschaft des Landes. Daran können die Geldgeber Zyperns wohl kaum ein Interesse haben - auch Deutschland nicht.

Man darf daher die Vorhersage wagen, dass sich Schäuble mit seinem Ansinnen am Ende nicht durchsetzen wird. Allein die anhaltende Diskussion über eine Enteignung von Bankkunden auf Zypern reicht allerdings schon aus, um dem Inselstaat und der Euro-Zone insgesamt zu schaden.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Kommentar: Zittern in Zypern"

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  • O-Ton Ruth Berschens
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    In Spanien und Irland habe man aus gutem Grund darauf verzichten, die bei den Krisen-Banken angelegten Vermögen zu konfiszieren, heißt es in der EU-Behörde. Denn damit hätte man wohlhabende Anleger dauerhaft verschreckt und für die Volkswirtschaft wichtiges Kapital verloren.
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    Was im Falle Griechenlands wohl nicht gilt - dort mußten die Gläubiger 70% Verlust hinnehmen.


    Und wo liegt der Unterschied zwischen Griechenland und Zypern einerseits und Irland und Spanien andrerseits?

    O-Ton Ruth Berschens
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    Wieso das in Zypern nun plötzlich anders sein soll, bleibt das Geheimnis des deutschen Finanzministers.
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    Das mag für Frau Berschens ein Geheimnis sein, für wohlinformierte Zeitgenossen aber nicht:

    In Falle Irlands und Spaniens kann man davon ausgehen, daß diese Länder letzlich die Verbindlichkeiten aus ihren Bankenrettungen vollständig tragen können und werden.

    Also ist nicht mit einer Belastung des guteuropäischen Steuerzahlers zu rechnen.

    Während im Falle Griechenland und Zypern die Überschuldung zu groß ist - dann ist es nur recht und billig daß sich die privaten Gläubiger an den Verlusten beteiligen und diese nicht gänzlich dem guteuropäischen Steuerzahler zur Last fallen.

    (Daß im Falle Griechenland der Staat und nicht primär die Banken gerettet wurden spielt für die Frage der fairen Lastenverteilung zwischen Steuerzahler und Privatgläubigern keine Rolle.)

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    O-Ton Ruth Berschens
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    Zum einen ist Zypern ein sehr kleines Land und kann sich folglich schlechter als andere gegen das große Deutschland wehren.
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    Jetzt wird auch noch auf die Tränendrüse gedrückt - das arme kleine Zypern!

    Frau Berschens läßt keinen billigen Trick aus dem demagogischen Repertoire aus.

  • O-Ton Ruth Berschens
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    Allein die anhaltende Diskussion über eine Enteignung von Bankkunden auf Zypern reicht allerdings schon aus, um dem Inselstaat und der Euro-Zone insgesamt zu schaden.
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    Wen hier jemand enteignet wird dann doch wohl der guteuropäische Steuerzahler.

    Die Bankkunden auf Zypern haben sich offensichtlich die falsche Bank ausgesucht - seit wann ist es eine "Enteignung" wenn Leute die sich mit Ihren Geldanlage verzockt haben nicht vom Steuerzahler gerettet werden?

    +++

    O-Ton Ruth Berschens
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    Wer das russische Kapital aus Zypern vertreibt, schwächt die Wirtschaft des Landes. Daran können die Geldgeber Zyperns wohl kaum ein Interesse haben - auch Deutschland nicht.
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    Kein Mensch außerhalb Zyperns hat an der zypriotischen Wirtschaft auch nur das geringste Interesse.

    Steuer- und Regulierungsdumping sind ein parasitäres Geschäftsmodell - wenn das 'mal schief geht sollte man sich darüber freuen anstatt den verendenden Schädling auch noch künstlich zu beamtmen.

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    O-Ton Ruth Berschens
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    In Spanien und Irland habe man aus gutem Grund darauf verzichten, die bei den Krisen-Banken angelegten Vermögen zu konfiszieren, heißt es in der EU-Behörde.
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    Hier wäre nichts "konfisziert" worden wenn man hätte die unklugen Anleger ihrem Schicksal überlassen hätte.

    Die falsche Verwendung von Begriffen wie "Enteignung" und "Konfiszierung" durch Frau Berschens hat offensichtlich System.

    So etwas bezeichnet man als Demagogie.

  • @ Muellman07
    Der Vergleich ist ok.
    Dass es bei den Rettungsaktionen um Menschen geht, wäre mir neu.

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