Kommentar zu Daimler-Chrysler
Das Ende der Welt AG

Die Pläne vor vier Jahren waren groß und schillernd: Mit dem Einstieg bei Mitsubishi Motors wollte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp seine „Welt AG“ um den fehlenden Asien-Teil erweitern. In der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregion der Welt war der Konzern zu schwach präsent. Nun musste Schrempp eingestehen, dass er sich verkalkuliert hat. Immer höher wurden die spekulierten Summen, die für eine Sanierung des viertgrößten Autobauers in Japan nötig seien. Jetzt hat es dem Aufsichtsrat gereicht.

Schrempp konnte nicht überzeugend darlegen, dass sich die Investition später rechnen wird. Nun muss er den Rückzug antreten. Nach einem Nein zur Kapitalerhöhung ist der Ausstieg aus Mitsubishi Motors der einzig sinnvolle Schritt. Es ist nicht anzunehmen, dass Daimler-Chrysler mit seiner Ankündigung nur die anderen Mitsubishi-Anteilseigner unter Druck setzen will. Ganz oder gar nicht, lautet die Wahl – gar nicht, die Antwort aus Stuttgart.

In Tokio lässt Schrempp einen Scherbenhaufen zurück. Mitten in der Umstrukturierung steht Mitsubishi Motors plötzlich vor einer mehr als ungewissen Zukunft. Zwar sind in den vergangenen Jahren in gewissen Bereichen wie dem Einkauf Fortschritte erzielt worden. Insgesamt jedoch, urteilen Analysten, ist die Lage derzeit schlimmer als vor dem Einstieg Daimlers. Die Zukunft von Mitsubishi Motors war völlig auf eine engere Zusammenarbeit mit Smart und Chrysler ausgerichtet. Eine stärkere Verzahnung war zentraler Teil des Sanierungsplans. Jetzt müssen die teuer eingefädelten Projekte wohl wieder abgebrochen werden. Was folgt statt dessen? Findet sich kein neuer strategischer Partner aus der Autobranche für Mitsubishi Motors, sehen Analysten schwarz für den Autobauer.

Das profitable Lastwagengeschäft, an dem Daimler damals besonders interessiert war, hat Mitsubishi in der Zwischenzeit mehrheitlich an die Stuttgarter abgetreten. So steht Schrempp zumindest nicht mit leeren Händen da, bringt eine, wenn auch teuer erkaufte, Beute von seinem Streifzug nach Asien mit. Doch nun muss er sich für Chrysler in den USA und Smart neue Strategien überlegen, sollte doch auch hier gemeinsame Produktion und Einkauf mit Mitsubishi Motors die Kosten gehörig senken.

Auch für das Pkw-Geschäft in Asien, eine zentrale Region im globalen Geschäft der kommenden Jahre, sind schnelle Lösungen für die Post-Mitsubishi-Zeit gefragt. Die Konkurrenz expandiert vor allem in China massiv. Zu schade, dass es derzeit auch mit dem zweiten Daimler-Partner, Hyundai Motor aus Südkorea, so stark kriselt, dass eine Trennung weitaus weniger überraschend käme als die von Mitsubishi. Die Welt AG – in Asien ist von ihr schon nicht mehr viel zu sehen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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