Kommentar

Zu früh für einen FDP-Nachruf

Das Läuten des Totenglöckchens hat die FDP schon häufiger gehört. Doch allen Unkenrufen und Verlusten an Wählerstimmen zum Trotz: Die Liberalen bleiben eine wichtige Schutzmacht für Leistungsträger.
13 Kommentare
Retten kann sich die FDP nur, wenn sie nicht wieder in alte Muster zurückfällt. Quelle: dpa

Retten kann sich die FDP nur, wenn sie nicht wieder in alte Muster zurückfällt.

(Foto: dpa)

BerlinDie FDP ist unverzichtbar: So lautete einer der zentralen Sätze in der Rede von Parteichef Philipp Rösler auf dem Bundesparteitag. Laut den Umfragen haben die Bürger ihr Urteil bereits darüber gefällt. Danach ist die Partei von Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel und Otto Graf Lambsdorff überflüssig wie ein Kropf. Eine Partei am Abgrund.

Doch für einen Nachruf ist es verfrüht. Die FDP hat das Läuten des Totenglöckchens schon häufiger gehört. Der politische Liberalismus ist trotz aller Unkenrufe in dieser FDP noch immer verortet. Eine freiheitliche Partei hat trotz des Widerstands der Kanzlerin Joachim Gauck durchgesetzt. Ein präsidialer Bundespräsident, der für die Themen Freiheit und Verantwortung steht und, wie die ersten Wochen im Amt schon zeigen, ein Glücksfall für Deutschland ist. Ob sich die FDP mit ihrem Nein zu Staatshilfen für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker nur selbst oder die Marktwirtschaft retten wollte, ist letztendlich unwichtig. Es war ein Weckruf für die vielen heimatlosen Liberalen, die sich schon in die Nichtwählerecke zurückgezogen hatten.

Auf dem Parteitag fiel in den Reden kein Wort so häufig wie Schlecker. Allerdings reicht das ordnungspolitische Lebenszeichen als Existenzberechtigung für eine Regierungspartei genauso wenig wie die Nominierung von Gauck. Ob Deutschland die FDP wirklich noch braucht, lässt sich erst nach den kommenden drei Bewährungsproben sagen.

Erstens: Wenn sich die Schuldenkrise in Spanien und Italien mit voller Wucht zurückmeldet und der Ruf nach noch mehr Staat und Euro-Bonds erneut erschallt – dann wird sich erweisen, ob der in der FDP organisierte Liberalismus noch eine wichtige Stimme ist.

Deutschland darf auf die FDP nicht verzichten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

13 Kommentare zu "Kommentar: Zu früh für einen FDP-Nachruf"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das sehe ich, mit großem Bedauern, anders: Die FDP hat bei der Mitgliederbefragung zu dem Vorstoß Schäfflers gegen den Rettungs-Wahn ihre allerletzte Chance verpasst. Es hätte zwar diese sletsame Koalition gekostet, aber es wäre die Rettung der FDP gewesen, denn etwa 80 Prozent der Bürger lehnen den alternativlosen Rettungs-Irrsinn ab. Allein die Erleichterung darüber, dass es in der parlamentrischen Lemmingsherde wenigstens noch ein paar Leute mit Restvernunft gibt, hätte der FDP Umfragwerte im gut zweistelligen Bereich beschert, so dass sie der vermutlich unvermeidlichen Neuwahl gelassen hätte entgegen sehen können. Nun jedoch wird sie untergehen, denn niemand braucht noch eine Partei, die den Rettungswahn unterstützt, was den deutschen Steuerzahler Unsummen kostet und natürlich zu massiven Steuererhöhungen führen wird, während gleichzeitig Herr Rösler und Consorten von Steuersenkungen fabulieren. Schade drum, Asche auf das Haupt der Totengräber!

  • Sensation: Piratenpartei NRW lehnt ESM-Vertrag einstimmig ab:

    scheinbar doch etwas Inhalt:

    http://www.radio-utopie.de/2012/04/17/sensation-piratenpartei-nrw-lehnt-esm-vertrag-einstimmig-ab/

  • Was hat das eigentlich noch mit Demokratie zu tun wenn eine kleine Elite die in Entscheiderpositionen sitzt den 90 Prozent Restbürgern ihren Willen aufdrückt um noch mehr Kohle zu machen?
    Irgend etwas läuft da schief. Die korrupte Politik in der Finanz und Pharmaunternehmen ihre Politik von gekauften Parteien wie die FDP durchsetzen, ist ein Grund von vielen für die Existenz von den Piraten.

  • Nach dem lesen dieses Artikels hat der Begriff "geistige Blähungen" für mich eine neue Bedeutung bekommen, nämlich keine Artikel mehr von Herrn Sigmund lesen.

  • Die Piraten sind alles, aber nicht liberal. Liberale haben eine sehr klare Vorstellung vom Eigentumsrecht, dass der Staat zu schützen und durchzusetzen hat. Die Piraten sind Kollektivisten in kommunistischer Tradition, die sich für die Vergemeinschaftung von geistigem Eigentum einsetzen.

  • Einig sind sich die Kommentatoren ja darin, dass es eine liberale Partei braucht. Dem stimme ich zu. Ich sehe es aber ganz ähnlich: Die FDP ist es nicht.
    Es fragt sich aber, was das kleinere Übel ist. Ich bin einer derer, die gerne liberal wählen würden, aber angesichts der Alternativen dann eben Nicht-Wähler ist. Bzw. Noch wähle ich ungültig, aber wenn sich hier weiterhin alles in Richtung Sozialismus bewegt und ich keine Meinungsvertretung finde, dann nehme ich an dieser demokratischen Veranstaltung eben nicht mehr Teil. Emigration der Leistungsträger... Es ist ja sowieso verpönt sich in diesem Land als Leistungsträger zu sehen. Wo es in den USA heißt "hey, guck ma der, was der erreicht hat; Respekt!" heißt es hier "sieht Dir den an, der hat so viel, das ist ungerecht, nehmt es ihm!"

    Es liegt vielleicht daran, dass die Parteien zu sehr aus Berufspolitikern bestehen. Nicht mehr, die früher, aus ehemaligen Unternehmern auf der einen und Arbeitern auf der anderen Seite. "Die Mitte" anzustreben führt letztendlich dazu, dass keiner vertreten wird, weil es "die Mitte" nun mal nicht gibt.

  • Die Piraten sind die neue Bürgerrechtspartei und die Partei für mehr Bürgerbeteiligung bei wichtigen politischen Prozessen. Hier sind liberale freiheitliche Menschen willkommen und die Absatzbewegung weg von der FDP hin zu den Piraten spricht auch eine deutliche Sprache.

  • Interessant wie das HB zu Zeiten als Westerwelle Vormann der FDP war, diese Partei heruntergeschrieben hat und jetzt wo das Totenglöckchen im wahrste Sinne des Wortes läutet, versucht sie wieder hochzuschreiben.
    Für mich als liberalen Menschen ist die FDP bereits tot und der Totenschein wird auch dann ausgefertigt, wenn die beiden nächsten Landtagswahlen über die Bühne gelaufen sind.
    Liberale gehen zu den Piraten und werden da versuchen liberale Positionen durchzusetzten. Da sind sie auch gut aufgehoben z.B. in Sachen Vorratsdatenspeicherung.

  • Hier alles kalter Kaffee. Es geht nicht um die FDP, die viel zu lange die Oppositionsbank abgesessen hat..Wieder der gleiche Fehler

    .

    Blöde FDP, "du" mit deinem Zapfsäulenmodell

  • Eine Liberale Partei hätte Gauck statt Wulff durchgesetzt, würde sich um die Freiheit der Rede im Parlament streiten und dem Bürger vor den Übergriffen eines Sicherheitsstaates schützen.

    Eine liberale müsste gegen den ESM eintreten.
    Es wäre noch sehr viel mehr an zuführen, aber man kann an Hand dieser Beispiele schon erkennen, was die Politik der FDP eben nicht beinhaltet.
    Den Liberalen Gedanken.
    Und genau deshalb ist sie für Deutschland überflüssig.
    Klientelpolitik findet der Wähler nach Gusto bei den Anderen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%