Kommentar
Zu früh gefreut

Die Pleite von Manroland hat den Markt nicht bereinigt. Der Konkurrenzdruck hat sich sogar noch verschärft. Der zerschlagene Druckmaschinenhersteller ist nun ein viel gefährlicherer Gegenspieler für Heideldruck und KBA.
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Bernhard Schreier gehört nicht zu den Menschen, die sich am Unglück anderer laben. Als der Chef von Heidelberger Druck aber die Frage in den Raum stellte, ob der insolvente Konkurrent Manroland im Mai zur Messe Drupa nach Düsseldorf kommen wird, da schwang eine Spur Hoffnung mit. Denn wer auf der wichtigsten Branchenschau der Industrie nicht dabei ist, der ist raus aus dem Markt. Für Schreier wäre das eine gute Nachricht, denn dann würden die enormen Überkapazitäten schmelzen und ihm wieder Gewinne erlauben.

Der Bau von Druckmaschinen ist eine deutsche Domäne. Mit Heideldruck, Koenig & Bauer (KBA) und Manroland kommen die drei Marktführer aus der Bundesrepublik - die Krise der Druckerbranche ist damit eine deutsche Krise. Die Firmen hätten sie lösen oder zumindest die Folgen mindern können, etwa durch eine Fusion. Die verschiedenen Varianten wurden durchgesprochen, geschehen ist aber nichts. Dabei war die Not groß, und sie ist es noch: Seit dem Jahr 2008 hat sich der Markt für Druckmaschinen halbiert. Verantwortlich ist dafür die schwache Konjunktur, schwer wiegt aber der strukturelle Wandel. Was früher auf Papier seinen Weg zum Leser fand, wird zunehmend digital über das Internet verbreitet. Diese doppelte Krise hat die Manroland AG nicht überlebt. Im November musste die Traditionsfirma Insolvenz anmelden. So dramatisch die Pleite sein mag, sie folgt den Regeln des Marktes. Der schwächste Anbieter bleibt im übersättigten Markt auf der Strecke.

Die Konkurrenz hoffte nach dem Insolvenzantrag, dass Manroland vom Markt verschwindet. Die Überkapazitäten werden auf 30 Prozent und mehr geschätzt, eine Bereinigung ist dringend nötig. Ohne die Kapazitäten der Pleitefirma sollte es für Heideldruck und KBA einfacher werden. Diese Hoffnung wird nicht erfüllt. Denn zur Marktwirtschaft gehört auch, dass ein Unternehmer neue Chancen erkennt.

Kommentare zu " Kommentar: Zu früh gefreut"

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  • Das ist doch Quatsch: heideldruck konkurriert sicher nicht gegen die Possehl gruppe, da sie gar nicht mehr im Rollendruck tätig sind!
    und zu offenbach: welche 800 Leute sind denn dort noch (bei einem insolventen Arbeitgeber)? Doch nur die, die nirgendwo sonst einen job bekommen haben

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