Kommentar: Zu früh gejubelt

Kommentar
Zu früh gejubelt

Große Hoffnungen lasten auf dem ersten Südamerikaner auf dem Papststuhl, der sich den Kampf gegen die Armut auf die Fahnen geschrieben hat. Doch eine Revolution ist von Papst Franziskus nicht zu erwarten. Ein Kommentar.

DüsseldorfAuf den ersten Blick passt alles perfekt. Der neue Papst Franziskus erfüllt viele Erwartungen und Hoffnungen. Jorge Mario Bergoglio kommt aus Südamerika, einem Kontinent auf dem deutlich mehr Katholiken leben als in Europa. Das betont den Anspruch der katholischen Kirche als Weltkirche und gibt den aufstrebenden Schwellenländern das Gewicht im Vatikan, das ihnen schon länger zusteht. Zugleich steht er für den Brückenschlag zu Europa, hatte er doch italienische Vorfahren, wurde in Europa ausgebildet und war bisher Erzbischof von Buenos Aires, einer Stadt, die stark von europäischen Traditionen geprägt ist.

Auch die Wahl seiner Papst-Namens ist Programm und bedient die Sehnsucht nicht nur vieler Christen nach mehr sozialer Gerechtigkeit: Der heilige Franziskus, Sohn eines reichen Kaufmanns, hatte sich der Armut verschrieben und sich um die sozial Benachteiligten gekümmert. Für die Kirche war das damals fast eine Revolution. Auch Bergoglio hat sich als Bischof stark im Kampf gegen die Armut in Lateinamerika engagiert, lebte bescheiden und verzichtete auf Dienstwagen und Bischofspalast. Ein erfrischender Kontrast zum Alltag im Vatikan.

Doch wer jetzt denkt, mit dem Papst Franziskus zieht im Vatikan die Revolution von oben ein, der dürfte wahrscheinlich zu früh gejubelt haben. Um gleich mit einem Missverständnis aufzuräumen: Auch wenn er als Mitglied des Jesuitenordens sozialpolitisch eher links und kapitalismuskritisch auftritt, ist Franziskus theologisch im Kern ein Konservativer – wie wahrscheinlich fast alle Mitglieder des Kardinalskollegiums. Er hat sich in Argentinien beispielsweise vehement gegen die Homo-Ehe ausgesprochen. Zudem klebt an ihm der nie ganz ausgeräumte Verdacht in der Vergangenheit eine zu große Nähe zur argentinischen Militärjunta gepflegt zu haben.

Auch seine Physis und Persönlichkeit sprechen wenig dafür, dass nun ein Revolutionär in den Vatikan eingezogen ist. Er wird eher als bescheiden, zurückhaltend und nachdenklich beschrieben, ein stiller Intellektueller, ähnlich wie sein Vorgänger.

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Zu früh gejubelt

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Kein Generationenwechsel

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