Kommentar zu Ifo und ZEW
Übereinstimmend klare Botschaften

Das Ifo-Geschäftsklima sorgte im September einmal mehr für eine Überraschung. Kaum jemand hatte nach dem erneuten Absturz des ZEW-Barometers für die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten damit gerechnet, dass sich der Ifo-Index fast auf seinem August-Niveau behaupten könnte. Genau dies ist aber eingetreten. Dennoch gibt es keinen Gegensatz, sondern Übereinstimmungen zwischen den beiden Stimmungsindikatoren - zwar nicht im Ausmaß, jedoch in der Richtung. Allerdings müssen dazu letztlich die Komponenten der Umfragen miteinander verglichen werden, die auch vergleichbar sind.

Denn das weitgehend stabile Ifo-Geschäftsklima ist ausschließlich dem Umstand zu verdanken, dass die gegenwärtige Konjunkturlage aus Wirtschaftssicht hervorragend ist. Die vom Münchner Ifo-Institut befragten 7 000 Unternehmen gaben ihr die besten Noten in diesem Jahr. Der Anstieg der Ifo-Teilkomponente zur aktuellen Lage weckt damit sogar Hoffnungen, dass die Wirtschaft im dritten und vielleicht sogar im vierten Quartal in der Grundtendenz – bereinigt um die Sondereffekte Fußball-Weltmeisterschaft und Bauboom nach dem langen, harten Winter - ähnlich stark wächst wie im zweiten Vierteljahr.

Auch die vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Analysten und institutionellen Anleger hatten sich im September zur aktuellen Lage so optimistisch geäußert wie noch nie im laufenden Jahr. Allerdings wird dieser ZEW-Indikator zur Konjunkturlage gemeinhin kaum beachtet – im Mittelpunkt der Berichterstattung und Kommentierung steht nun einmal das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen, das seit Monaten fällt.

Dessen Pendant ist aber nicht das Ifo-Geschäftsklima insgesamt, sondern seine zweite Komponente, der Teilindex für die Ifo-Geschäftserwartungen. Und dieser befindet sich seit April ebenfalls tendenziell im Rückwärtsgang – wenn auch nicht so ausgeprägt wie das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen. Dass insbesondere die Mehrwertsteuererhöhung, die am 1. Januar 2007 in Kraft tritt, in ihrer die Konjunktur belastenden Wirkung den Unternehmen immer bewusster wird, lässt sich gerade an den jüngsten Zahlen ablesen: Der Ifo-Erwartungsindex rutschte im September erstmals seit November 2005 wieder unter die 100-Punkte-Marke und hat seit seinem Höhepunkt im gegenwärtigen Zyklus im März dieses Jahres 6,7 Punkte verloren – davon entfallen allein 2,5 Punkte auf den September.

In der Richtung der künftigen Konjunkturentwicklung stimmen die beiden Stimmungsbarometer also zumindest derzeit überein. Beschränkt man ihre wichtigste Aussagekraft auf die Richtung und die gegenseitige Kontrollfunktion, enthalten die Indikatoren von Ifo und ZEW klare Botschaften.

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