Kommentar
Zu sehr aufs Tempo gedrückt

Die Großfusion in der Rohstoffbranche zwischen Glencore und Xstrata kommt voran. Doch der Ausdauerathlet und Glencore-Chef Glasenberg stieß mit seinem Tempo auf Widerstand – und legt sich selbst Hürden in den Weg.
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Inmitten der Schweizer Alpenidylle, am beschaulichen Zugersee, schmieden zwei Rohstoffunternehmen einen Megakonzern. Der Grundgüterhändler Glencore schließt sich mit dem Bergbauriesen Xstrata zusammen. Damit entsteht eines der größten Konglomerate im Geschäft mit den Grundgütern.

Für den Zusammenschluss zahlt Glencore-Chef Ivan Glasenberg aber einen hohen Preis – und scheitert zum Teil am Widerstand der Aktionäre. Der Ausdauerathlet drückt bei der Fusion aufs Tempo – und will den Fusionsmarathon in Sprinter-Zeit absolvieren. Er will seinen Lebenstraum, einen integrierten Rohstoffkonzern zu schmieden, noch in diesem Jahr verwirklichen. Dabei preschte er aber mehrfach an den Wünschen und Vorbehalten der Eigner vorbei.

Die Fusion erhielt nun zwar den Segen der Aktionäre. Doch Glasenberg bekam zugleich einen Dämpfer verpasst. Die Xstrata-Eigner stimmten gegen ein üppiges Bonuspaket für das Firmenmanagement. Mit dem rund 180 Millionen Dollar schweren Paket wollte Glasenberg rund 70 Xstrata-Manager an das Unternehmen binden – gewissermaßen eine Halteprämie.

Bereits das ursprüngliche Angebot war am Veto der Eigner gescheitert. Die als Zusammenschluss unter Gleichen geplante Transaktion geriet so zum milliardenschweren Pokerspiel. So hatten „Ivan, der Mächtige“ und sein Gegenüber, Xstrata-Vorstandschef Mick Davis, schon einmal die Aktionäre an die friedlichen Gewässer des Zugersee geladen. Beide Konzerne haben ihren Sitz im Örtchen Baar im Kanton Zug. In dem Casino des Kantons-Hauptstädtchens Zug stand eine heiße Kampfabstimmung an.

Doch im letzten Moment blies das Gespann das Votum ab. Fortan rangen Glasenberg und Davis mit den Anteilseignern hinter den Kulissen um eine Einigung. Großbritanniens Ex-Premierminister Tony Blair trat als Vermittler auf und brachte seine Kontakte zu Katars Premierminister al-Thani ein.

Der Südafrikaner Glasenberg gab sich daher nach außen hart und kompromisslos, in den geheimen Verhandlungen aber nachgiebig. Ursprünglich hatte Glasenberg 2,8 Glencore-Aktien für jeden Xstrata-Titel geboten. Doch wichtige Xstrata-Anteilseigner, allen voran der Staatsfonds des Emirats Katar, hatten auf einen Nachschlag gedrängt. Nun erhalten die Eigner 3,05 Aktien. Damit legt der 55-Jährige 33 Milliarden Dollar für die Übernahme auf den Tisch.

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Ein Zusammenschluss zur Unzeit

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  • Kriegsverbrecher Blair als Vermittler?

    Da tun sich Abgründe auf.

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