Kommentar zu Ulmer Sparverträgen: Urteil ist gut, Vertrauen ist besser

Kommentar zu Ulmer Sparverträgen
Urteil ist gut, Vertrauen ist besser

Kein Ausweg aus hochverzinsten Sparverträgen: Die Sparkasse Ulm muss ihren Kunden weiter gute Konditionen bieten. Zurecht, ist das gegebene Wort als Geschäftsgrundlage entscheidend. Ein Verlust hingegen verkraftbar.
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FrankfurtDie Sparkasse Ulm darf hochverzinste Sparverträge nicht kündigen. Das hat das Landgericht Ulm am Montag entschieden. So schlecht das für das Geldhaus ist, so richtig ist das Urteil. Sparen muss vor allem verlässlich sein.
Das Urteil ist hart für die Sparkasse Ulm. Sie muss mit erheblichen Aufwendungen rechnen. Die umstrittenen Scala-Sparverträge sind ein Verlustgeschäft für sie. Und es würde das Kreditinstitut noch härter treffen, wenn weitere Sparer vor Gericht ziehen sollten.

Doch so schwierig es für die Sparkasse wird – das Urteil ist gut. Es ist gut im Sinne der deutschen Sparer und auch der Sparkultur. Denn Sparen hat auch etwas mit Verlässlichkeit zu tun. Wer Sparvertrag geschlossen hat, darf davon ausgehen, dass seine Bank oder Sparkasse den Vertrag auch einhält.

Schließlich waren nicht die Sparer, es war die Sparkasse Ulm, die in den 90er Jahren einen Fehler gemacht hat. Das Institut hat sich verkalkuliert, indem es für 25 Jahre einen variablen Grundzins und einen in Stufen steigenden Bonuszins versprach. Ein Bonuszins von bis zu 3,5 Prozent, der heute angesichts der Minizinsen der Europäischen Zentralbank sehr attraktiv ist. Einige Verträge laufen noch bis zum Jahr 2030. Auch hier hat das Gericht im Sinne der Sparer festgestellt: Die heutigen Minizinsen – die vor 20 Jahren kaum vorstellbar waren – sind kein Grund, der ein Recht zur Vertragskündigung rechtfertigt.

Deshalb muss die Sparkasse dafür sorgen, dass sie ihre Versprechen einhalten kann. Das gilt auch für den Fall, dass sie künftig deutlich weniger Geld verdient, ihr Eigenkapital schwerlich aufstocken und somit weniger Kredite an Firmen vergeben kann. Das würde die Sparkasse schwächen. Aber eben im Wesentlichen nur die Sparkasse. Da Geldhäuser derzeit mehr denn je um den deutschen Mittelstand als Kunden kämpfen, werden andere Banken in die Bresche springen und an Firmen rundum Ulm Kredite ausgeben.

Der Fall der Sparkasse Ulm ist lokal begrenzt, dennoch lässt sich an ihm eine Lehre aus der Finanzkrise festmachen: Es sollte nicht sein, dass die Kreditwirtschaft Gewinne selbst vereinnahmt, Verluste aber auf die Kunden oder in anderen Fällen gar auf den Steuerzahler abwälzt.

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  • Sehr geehrte Frau Atzler,

    Ihren Kommentar habe ich mit Interesse gelesen, sicherlich wir es in Ulm und um Ulm herum nicht zu einer Kreditklemme kommen, und Ja es gibt noch genügend andere Institute, aber warum gibt es diese eigentlich noch?

    Im Fall Commerzbank weil der Bürger diese mit Steuergelder retten mußte und bis heute nicht an deren Gewinnen profitiert. Im Falle von Sparkassen profitiert der Bürger unmittelbar, ohne dafür eine Einlage zu zahlen wie Genossenschaftsbanken oder AGs.

    Und was als Skandal oder Vertrauensverlust für Sparkassen angesehen wird, naja. die Deutsche Bank hat jahrelang Zinssätze manipuliert ("Leistung die Leiden schafft"), wo bleibt das da der Aufschrei, die Kundenempörung oder der Wutbürger?

  • Diesem Kommentar kann man nur voll und ganz zustimmen.

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