Kommentar zum Bahnstreik
Die Lokführer stehlen ein Grundrecht

Die Lokführer beenden nicht nur unsere Pläne für eine Bahnreise, sie stehlen unsere Mobilität. Die Auswirkungen dieses Diebstahls stehen in keinem Verhältnis zu den Forderungen der GDL. Die Politik muss reagieren.
  • 33

Ich fahre oft mit der Bahn, ich fahre gern mit der Bahn – fast jeden Tag: zur Arbeit, zu Terminen, zu Freunden und, wenn ich in Deutschland Ferien mache, auch in den Urlaub. Meine gesamte Mobilität ist von Bahnen und Zügen abhängig – selbst wenn ich zum Flughafen muss.

In dieser Situation muss ich oft geduldig sein: Unwetter, Unfälle, Verspätungen – meine eigenen und die der Bahn – und auch Streiks zwingen mich zu einer Anpassung meiner Pläne. Manchmal ist das sehr stressig, aber mit den Jahren habe ich gelernt, mit diesem System umzugehen. Vor allem weil ich weiß: Angekommen bin ich immer und Arbeitskämpfe sind auch mal auf meine Kosten notwendig.

Der neue Streik erschüttert dieses Grundvertrauen massiv. Mehr als vier Tage stehe ich vor einer großen Ungewissheit. Komme ich zur Arbeit? Sehe ich diese Woche noch meine Wohnung, meine Freunde oder ist das alles mit einem riesigen Aufwand verbunden?

Es ist zu einer gesellschaftlichen Frage geworden: Darf die Gewerkschaft der Lokführer in einem Konflikt mit ihrem Arbeitgeber Hundertausende Menschen derart einschränken und in diesen Stress versetzen?

Der schmale Grat der Diskussion ist nun zu einer riesigen Kluft zwischen den Bahnfahrern und ihren Chauffeuren geworden. Verständnis für die Art des Streiks existiert nicht mehr. Denn dieser Eingriff in die Mobilität der Menschen, im Beruf und im Privaten mittlerweile zwingend erforderlich, ist nicht mehr akzeptabel. Denn das, was nun dauerhaft eingeschränkt wird, sind Grundbedürfnisse: arbeiten, Geld verdienen, nach Hause kommen, Familie und Freunde sehen. Und dann kann ich mit diesem System nicht mehr umgehen.

Die Wirtschaft erwartet Mobilität, die Gesellschaft erwartet Mobilität und wir brauchen Mobilität. Sie ist ein wichtiges Instrument für unsere Bedürfnisse, sie gehört zur Grundsicherung – und dürfte somit gar nicht bestreikt werden. Wenn eine gesellschaftliche elementare Aufgabe scheitert, muss die Politik eingreifen. Genau dafür ist sie da.

Kommentare zu " Kommentar zum Bahnstreik: Die Lokführer stehlen ein Grundrecht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es gibt wohl auch kein Grundrecht auf ein Bett im Altenheim...man stelle sich vor diese schlecht bezahlten Mitarbeiter würden im Streik auf "Selbstversorgung" umstellen.
    Das Hereinziehen "unschuldiger Mitbürger" zur Durchsetzung eigener Ziele nennt man in anderen Fällen Ter..... und es ist strafbar.

  • Wie schon oben geschrieben..........
    Es gibt doch nur eine Reaktion für die betroffene Bevölkerung...
    Lokführer werden im Handel und anderen Bereichen bestreikt und alle Unternehmen machen von ihrem Hausrecht Gebrauch und geben dem Rädelsführer Hausverbot (lebenslang)............

  • Es gibt doch nur eine Reaktion für die betroffene Bevölkerung...
    Lokführer werden im Handel und anderen Bereichen bestreikt und alle Unternehmen machen von ihrem Hausrecht Gebrauch und geben dem Rädelsführer Hausverbot (lebenslang)............

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%