Kommentar zum Kopierschutz
Steve, der Clevere

Das ist der Durchbruch. Emi lässt als erster namhafter Musikkonzern den Kopierschutz fallen und stellt seinen Musikkatalog „ungeschützt“ zum Verkauf ins Internet. Jeder Online-Musikhändler wird in Zukunft Emi-Lieder in praktisch jedem Format verkaufen können, und die Käufer können sie auf dem Gerät ihrer Wahl abspielen. Wieder ist es der Chef-Visionär des Silicon Valley, Steve Jobs, der die Entwicklung anführt. Sein Web-Shop iTunes hat schon einmal die Musikbranche revolutioniert – und er wird es wieder tun. iTunes wird als erste die neue freie Musik anbieten.

Die Ankündigung ist ein cleverer Schachzug von Steve Jobs. iTunes steht auf dem Höhepunkt des Erfolgs, die Verkaufszahlen des iPod brechen alle Rekorde, und der Versuch Microsofts, ein Konkurrenzprodukt auf den Markt zu bringen ist praktisch gescheitert. Gleichzeitig aber hat der Erfolg auch Kritiker auf den Plan gerufen. Das in sich geschlossene Quasi-Monopol iTunes steht unter massivem Beschuss durch Verbraucherschützer weltweit. Jetzt sendet Jobs ein ganz klares Zeichen an die Kritiker aus: Wir sind es nicht, die den Markt behindern!

Ob es auch für Emi ein gutes Geschäft sein wird, muss sich noch zeigen. Aber die Chancen stehen gar nicht schlecht. Der Kopierschutz hat nie wirklich die Online-Piraterie eindämmen können. Die Musik ist immer irgendwie ins Netz gelangt. Emi setzt seinen Musikkatalog also faktisch kaum einem neuen Risiko aus. Im Gegenteil. Denn wenn die Kunden das Konzept annehmen, werden sie die Musiktitel nicht nur vermehrt online kaufen, sondern auch noch einen saftigen Preisaufschlag akzeptieren. Nur um das wieder zu bekommen, was sie vor dem Internet auch schon hatten. Freie Musik in CD-Qualität. Wenn das kein Geschäft ist.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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