Kommentar zum Messe-Start
Geburtstagskind Cebit probt schmerzlichen Spagat

Zum 20. Geburtstag der Cebit als eigenständige Messe stehen die Verantwortlichen der Deutschen Messe AG in Hannover vor großen Herausforderungen.

Die Frage ist, wie sie das "Centrum für Büro und Informationstechnik" - so der volle Name der Fachmesse - künftig gestalten sollen. Der Spagat zwischen einer Fachmesse, die sich am Computereinsatz in den Büros der Unternehmen orientiert, einer Telekom-Supermesse und einer Show für den derzeit rasch wachsenden Bereich der Unterhaltungselektronik ist groß und schmerzt die bisher erfolgsverwöhnten Messemacher aus Niedersachsen.

Man ist stolz darauf, unter dem Zeichen des Hermes die nach wie vor größte Messe der Welt veranstalten zu können. In ihren Rekordtagen hatte die Cebit in einer Woche mehr als 800 000 Besucher. Das sprengte den Veranstaltungsrahmen. Auch jetzt, mit etwa 400 000 Besuchern sind die logistischen Herausforderungen der Messe groß genug.

Doch Logistik ist nicht das Problem der Niedersachsen. Da haben sie seit Jahrzehnten Erfahrung und werden von der Welt bewundert, wenn sie morgens alle Fahrspuren der Autobahnen zur Messe hin und am abends von der Messe weg freimachen. Da staunen selbst die mächtigen US-Boys über die gut organisierten Germans.

Wie gesagt, Organisation ist nicht das Problem. Es geht vielmehr darum, welche Veranstaltungsform die beste für die einzelnen Themenbereiche ist, so dass Aussteller wie Besucher bereit sind, für einen Besuch das nötige Geld auszugeben und die entsprechende Zeit aufzuwenden. Beides ist kostbar in Zeiten knapper Kassen. Das gilt in besonderem Maße für das Thema Informationsverarbeitung in Büro und Unternehmen.

Es war schon immer ein schwieriges Unterfangen, die Vorzüge der IT-Technik in Bildern einzufangen. TV-Journalisten können ein Lied davon singen. Da gilt es im Umkehrschluss auch, dass IT letztlich kein Themenbereich für Mammutshows wie etwa einer Maschinenbau-Messe ist. Die einzelnen Themenbereiche dieser Branchen lassen sich wesentlich effektiver in deutlich kleineren, themenorientierten "Kongress-Messen" in geeigneten Hotels verkaufen. Dieses Geschäft verstehen die Veranstalter in den USA wesentlich besser als die Messegesellschaften in Deutschland, die sich in einem Wettbewerb der Bundesländer mit riesigen Messegeländen zu übertreffen versuchen.

Welche Messeformen die Telekom-Industrie und die Unterhaltungsindustrie brauchen, ist derzeit noch völlig offen und Gegenstand heftigster Diskussionen unter den Messe-Machern. Die Messe 3GSM, die vor kurzem in Barcelona stattfand, war jedenfalls mit etwa 50 000 Anbietern und Einkäufern gut besucht, weil sie sich ausschließlich auf das Thema Mobilfunk-Handys und Dienste konzentrierte. Die Entwicklung im Bereich Unterhaltungselektronik wird hoffentlich die IFA im September in Berlin zeigen, die nun im jährlichen Rhythmus stattfinden wird. Der Druck auf die Veranstalter der Cebit ist als nach wie vor groß.

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