Kommentar zum Middelhoff-Urteil
Das Problem sitzt tiefer

Wer ganz oben steht, hat Macht und kann sie missbrauchen – deswegen gibt es Kontrollinstanzen. Die haben im Fall Middelhoff versagt. Für die Richter sollte das das nächste Thema sein.
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Im Untreue-Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff war alles möglich: Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und drei Monate Haft gefordert, die Verteidigung Freispruch. Die Härte des Urteils, die der Essener Richter Jörg Schmitt heute verkündete, überrascht: Drei Jahre Haft für Middelhoff. Das Urteil ist angemessen.

Middelhoff hat den ohnehin schwer angeschlagenen Konzern durch seine teuren und oft unnötigen Eskapaden wie Charterflüge und Festschrift-Geschenke geschädigt. Von einem Unternehmenschef sollte man mehr erwarten können – auch ohne gesetzliche Bestimmungen.

Dennoch ist Machtmissbrauch menschlich. Macht verzerrt die Wahrnehmung für die eigene Person, das ist nicht erst seit dem Middelhoff-Fall bekannt. Damit es nicht soweit kommt, dass der Manager mit seinem überbordenden Ego jemandem schadet, gibt es in großen Unternehmen Kontrollinstanzen. Die haben im Fall von Middelhoff offensichtlich versagt – das findet auch Richter Schmitt.

In der Urteilsbegründung kritisierte er den Aufsichtsrat des Konzerns scharf: Die Kontrollen der Charter-Flüge seien eine „Farce“ gewesen, sagte er.

„Big T“ ist nicht der erste Mächtige, der sich über alles stellte – und dabei die Verantwortung seines Jobs und die Vorbildfunktion für seine Mitarbeiter aus den Augen verlor. Bis zum Schluss war er sich keiner Schuld bewusst. Er ist aber einer der ersten, der so hart verurteilt wurde – eine Signalwirkung. Nun ist es an der Zeit, auch die Kontrolleure zur Verantwortung zu ziehen.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar zum Middelhoff-Urteil: Das Problem sitzt tiefer"

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  • Vor allem aber sagte der Vorsitzende Richter:

    Ohne die Erbsenzählerei des Insolvenzverwalters gäbe es diesen Prozeß nicht.

    Denn - so ist zu ergänzen - Spesen werden nur im Konfliktfall gelegentlich geprüft.

    Der KK-Verwalter hingegen muß kleinkariert prüfen lassen, was sonst überall akzeptiert wird.

    So betrachtet stimmt auch, daß es ohne den Konkurs das Verfahren nie gegeben hätte, wie das Gericht sagt.

    Auch Middelhoff ist daher ein Konkursopfer und verdient Mitleid.

  • Gut kommentiert!

    Der Inhaber eines großen Düsseldorfer Unternehmens ging einmal im Monat in irgendeine eine Abteilung und ließ sich einfach mal erzählen, was die Menschen bewegt, wie sie die Arbeit empfinden, was man verbessern könnte etc.
    Dieser Chef wußte, wie sein Unternehmen tickt. Bei Middelhoff et al habe ich da so meine Zweifel!!

  • Volle Zustimmung, Frau Heide!

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