Kommentar zum neuen Papst: Eine mutige Wahl

Kommentar zum neuen Papst
Eine mutige Wahl

Der Jesuit Jorge Mario Bergoglio hat es gewagt, sich nach Franziskus von Assisi zu nennen. Der Argentinier könnte als Franziskus die Kirche wieder glaubwürdig machen – doch dafür braucht es eine Revolution.

Jorge Mario Bergoglio steht für eine mutige Wahl. Eine mutige Wahl, weil er der erste Jesuit und der erste Lateinamerikaner ist. Aber eine mutige Wahl ist auch der Name, den er als Papst gewählt hat: Franziskus.

In den vielen Jahrzehnten hat kein Papst gewagt, sich nach Franziskus von Assisi zu nennen: einem ehemaligen Kaufmann, der seinen Reichtum hinter sich lässt, um die Armut nicht nur zu predigen, sondern auch zu leben. Ein Rebell, der beinahe ein Schisma der katholischen Kirche herbeigeführt hat.

Auch als Kardinal hat Bergoglio auf Privilegien verzichtet, den Autobus und die U-Bahn genommen und sich in den Armenvierteln bewegt. Seinen Landsleuten riet er, nicht nach Rom zu reisen, sondern das Geld lieber den Armen zu spenden.

Man kann nur hoffen, dass er seine Einstellung auch als Papst beibehält und der Katholischen Kirche diesen Kurs verordnet. Nur so kann sich die Kirche, die weltweit an Boden verliert, wieder dem Volk nähern. Zu sehr hat sich vor allem der Vatikan von der Bevölkerung entfernt. Die Skandale um die Vatikanbank Ior trugen ihr übriges bei.

Nur, wenn Franziskus wirklich durchgreift und endlich Transparenz schafft und beweist, dass die Kirche keine geheimen Konten versteckt und illegale Geldflüsse deckt, wird die Institution wieder glaubwürdig.

Der Heilige Franziskus war ein Revolutionär. Eine Revolution braucht der Vatikan auch heute.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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