Kommentar zum TV-Duell
So macht es wenig Sinn

Das TV-Duell genießt kurz vor der Wahl eine hohe Aufmerksamkeit – und ist für die Zuschauer doch eine große Enttäuschung. Wofür die beiden Duellanten wenig können.
  • 4

Wie wichtig die Parteien das TV-Duell drei Wochen vor der Bundestagswahl nehmen lässt sich daran erkennen, mit welcher Unterstützerschar die CDU am Sonntagabend ins Studio Adlershof in Berlin einfällt. Die Minister Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen und Peter Altmaier sind gekommen, Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist vor Ort, dazu die Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Annegret Kramp-Karrenbauer. Ihr Job: Nach dem Duell den Sieg ihrer Kanzlerin Angela Merkel zu verkünden. Sie führen den Kampf um die Deutungshoheit.

Dabei hätten Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen selbst die Gelegenheit, sich ihr Urteil zu bilden. Hätten. Wäre das Konzept des Duells nicht so angelegt, dass am Ende mehr Fragen offen als beantwortet sind. Schuld daran sind die Protagonisten nur zum Teil. Sie werden wie ihr Publikum Opfer eines rigiden Ablaufplans.

Problem 1: Die Zeiten für die Antworten sind so strikt vorgeben, dass ein Nachhaken nahezu unmöglich ist. Wenn sich einer der Duellanten in Allgemeinplätze flüchtet oder von sich aus ganz das Thema wechselt, ist die Frage verpufft.

Problem 2: Wenn das Themenspektrum der deutschen Innen- und Außenpolitik in 90 Minuten untergebracht werden soll, kann jeder Punkt zwangsläufig nur angerissen werden – so dass den Kontrahenten nichts anderes übrig bleibt, als ein paar Sätze aus dem Wahlprogramm zu zitieren. 

Problem 3: Ein Duell, in dem die Teilnehmer brav nebeneinander stehen anstatt sich Auge in Auge zu begegnen, kann keine Dynamik entwickeln. 

Problem 4: Vier Fragesteller sind mindestens zwei zu viel. Der Ansatz einer Debatte wird im Keim erstickt, wenn nicht nur die Duellanten, sondern auch noch jeder der Moderatoren auf möglichst gleiche Sprechanteile kommen soll.

Fazit: Das Konzept muss dringend überarbeitet werden. Sonst ist das TV-Duell wenig sinnvoll. Es sorgt beim Zuschauer eher für Enttäuschung als für Erkenntnisgewinn. Überaus bezeichnend, dass während der 90 Minuten beim Kurznachrichtendienst Twitter der Halskette von Kanzlerin Angela Merkel die meiste Beachtung geschenkt wurde.

Kommentare zu " Kommentar zum TV-Duell: So macht es wenig Sinn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich denke das Deutschland Politiker bräuchte die nicht in Aufsichtsräten von Großen Unternehmen sitzen,nur so könnte eine gerechte Politik gehen.Ich könnte mich kaputt lachen über Mindeslohn von 8,50,- Euro,das sind 1360,-Euro Brutto.Was kann ich damit schon machen?Die Menschen haben dann 160 Std.gearbeitet und am Ende können Sie die Miete,Nebenkosten und TV bezahlen.Was glauben die Damen und Herren eigentlich,die selber über das xx Fache Einkommen verfügen was da so an Kaufkraft übrig bleibt.Die Unternehmer zahlen Niedriglohn,also zahlt der Geringverdiener kaum Steuern (wovon auch).Wer muss also hinhalten? der,der 15-22,-Euro die Stunde verdient,das blöde daran ist,das da am Ende Netto nicht so viel rauskommt das damit große Sprünge gemacht werden können.Es ist nicht Neid,wie es gerne von den Reichen gesagt wird,UNGERECHT ist es.Eigentlich müssten bei 7 Millionen Geringverdiener und das sind nicht nur die,die unter 8,50 Euro Std,haben.Die Linken wählen. ob am Ende was gescheites rauskommt? nicht wählen ist falsch wählen,dann darf ich hinterher nicht weinen.

  • Welche Frage wird durch ein solches TV-Duell überhaupt beantwortet?
    Eigentlich nur die, wer der bessere Schwätzer ist.
    Ok, das war wie erwartet Steinbrück - und jetzt?
    Als Kanzler kann ich mir diesen Herrn weiterhin nicht vorstellen, und wählen werde ich weder Merkel noch ihn.

    Sinn HAT dieses Duell also ohnehin keinen und der Autor sollte bessere deutsche Sprache "machen".

  • Solch eine Sendung ist per se Quark. Das Fernsehen muß viel zu vorsichtig sein, daß es wirklich heiß würde.
    In einem Punkt hat der Forist "HofmannM" recht, wir haben eh keine Opposition.
    Leider hat die SPD keine eigenen Ideen für die Mitte der Gesellschaft mehr. Nur mit Streicheln der Minderheiten und unbezahlbaren (und unvernünftigen) Geschenken geht nichts. Die SPD bräuchte wieder Schröders und Schmidts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%