Kommentar zum Wirtschaftswachstum
Trister Konjunktur-Kalender

Irgendwie fängt jedes Jahr gut an und endet fies: Die Wirtschaftsforschungsinstitute versprechen im Januar Wachstum. Ab April wird`s dann kalt: Die Prognosen nach unten korrigiert. Zum Mai legen die Wirtschaftsforschungs-Chefvolkswirte Falten auf die Denkerstirnen, ehe es der Bundeswirtschaftsminister amtlich macht - kein Wirtschaftswachstum.

Sommer des Missvergnügens: Eichels Haushalt wegen fehlender Steuereinnahmen Makulatur, Beitragslöcher bei Renten- und Krankenkassen, mehr Staatsknete für die Bundesagentur für Arbeit. Diesmal ist es der Ölpreis, davor der Dollar, der Terror, die Weltwirtschaft, die Feiertage. Im Herbst sind die Löcher dadurch gestopft, dass man neue aufreißt und erschöpft klopfen sich im Winter alle auf die Schulter: Im Neuen Jahr wird alles besser.

Ludwig Erhard hat zu seiner Zeit Konjunkturprognosen bekämpft. Wirtschaftliche Aktivität ist unberechenbar, und Abweichungen gleichen sich nicht aus, sondern schaukeln sich zu Riesendifferenzen hoch. Heute verarbeiten Supercomputer Riesenstatistiken zu Mega-Fehlprognosen – und erzeugen ihre eigene Wirklichkeit: Enttäuschung über ausbleibendes Wachstum drückt das Wachstum.

Sie zeigen nur, dass die öffentlichen Haushalte allesamt „auf Kante genäht“ sind. Die Naht reißt wenn auch nur ein paar Zehntelprozente ausfallen. Aber das wird niemanden daran hindern, im nächsten Konjunkturkalender Prognosen erneut zum Selbst- und Wählerbetrug einzusetzen.

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