Kommentar zur EZB-Entscheidung
Kein Grund zum Jammern!

Die EZB greift zu drastischen Mitteln, um die Inflation anzufachen. Davon werden langfristig auch die deutschen Sparer profitieren. Sie sollten nicht auf das Gejammer von Bank-Funktionären hören.
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Mario Draghi hat nicht zu viel versprochen. Die heute verkündeten Maßnahmen der EZB gehen  weiter als bisher. Strafzinsen für Banken sind dabei nur ein kleiner Baustein von vielen. Diese Entscheidung  wird in Deutschland für große Aufregung sorgen, aber sie ist richtig. Wenn die EZB untätig geblieben wäre, hätte sie gegen ihr eigenes Mandat verstoßen.

Im Mandat der EZB ist als primäres Ziel Preisstabilität festgeschrieben. Die EZB definiert diese als eine Preissteigerung von nahe zwei Prozent. Davon ist die Eurozone ganz weit entfernt. Im Mai lag die Inflation gerade mal bei 0,5 Prozent – knapp 1,5 Prozentpunkte unter dem Ziel.  Draghi musste handeln, um seine Glaubwürdigkeit zu bewahren.

Man stelle sich einmal vor, die Inflation würde im gleichen Umfang nach oben vom Ziel der EZB abweichen. Bei einer Preissteigerung von 3,5 Prozent wäre völlig klar, dass die EZB massiv eingreift. Das Inflationsziel der EZB gilt aber aus guten Gründen in beide Richtungen – nach unten wie nach oben. Eine besonders niedrige Inflation ist mindestens genauso gefährlich, wie eine besonders hohe. Denn gegen hohe Inflation gibt es bewährte Mittel, mit denen die Zentralbanken jahrzehntelange Erfahrung haben. Im Kampf gegen Deflation tappen sie hingegen weitgehend im Dunkeln. Erfahrungen gibt es bisher vor allem aus Japan – und die sind nicht sehr ermutigend.

Deshalb ist es so wichtig, dass die EZB eine Spirale nach unten vermeidet. Wenn erst mal die Inflationserwartungen zurückgehen und die Tarifparteien das in den Lohnabschlüssen berücksichtigen, verstärkt sich der negative Preistrend von selbst. Rechnen Unternehmen und Verbraucher mit sinkenden Preisen, investieren sie zögerlicher. Gleichzeitig erhöht Deflation die Last der Schulden. Eine solche Spirale ließe sich nur schwer stoppen.

Bezeichnend ist, dass die Entscheidung für die Maßnahmen diesmal einstimmig fiel. Selbst der sonst so kritische Bundesbank-Chef Weidmann stimmte diesmal dafür. Die Risiken der Aktion sind überschaubar. Ein dramatischer Anstieg der Inflation ist eben so wenig zu erwarten wie größere Investitionsblasen.

Die von Draghi verkündeten Maßnahmen stützen die Inflation und das Wachstum in der Eurozone. Damit tragen sie dazu bei, dass die Wirtschaft in der Eurozone schneller zur Normalität zurückkehrt. Wenn das geschafft ist, werden auch die Zinsen wieder steigen. Ironischerweise wären dann die Sparer die größten Gewinner von Draghis Schachzug.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Es ist einfach nur unerträglich...

  • Die Pläne von Bazooka und dicker Berta von Draghi dienen ja dem einzigen Ziel und die Botschaft ist klar: Die „strengen Haushaltsregeln“- das heisst aufmachen der Schleusen für weitere Schuldenzuwächse – sollen gelockert werden, damit Geld frei wird für dringend benötigte Wachstumsimpulse, und zwar nicht nur in Frankreich, wo gerade die Schlüsselindustrie zusammenbricht und Südeuropa, sondern auch in Nordeuropa, weil bisher weder das Securities Markets Programme (SMP) von 2009 noch die Folgeprogramme ESFS, ESM und „Outright Monetary Transactions“ (OMT)-Programm der EZB, über die bereits Milliarden oder vielleicht sogar Billionen – wieviel weiß vielleicht nicht mal der EU-Politiker Draghi selbst – in den Sand gesetzt worden sind. Die Pferde können zwar zur Tränke geführt werden, aber saufen müssen sie selbst, sagt Keynes; das ist nicht nur das Problem von Draghi, sondern seit dessen Einsetzung als Übervater von Kommission, Ministerrat und Parlament auch das Problem Europas, und zwar vor allem seiner Menschen. Denn das Volk büßt immer, was die Könige tun, sagt Horaz. Und gerade die Deutschen wissen ja aus eigener leidvoller Geschichte, wohin das führt; zum Beispiel durch Studium des Programms „Mofa (Metall-Forschungs-GmbH)-Wechsel“ und seiner Folgen des ehemaligen Reichsbank-Diktators Hjalmar Schacht: eine Erholung der Wirtschaft durch Rüstung zu erweitern und durch extensive Schuldausweitung die bestehende Sozialordnung in einer diktatorischen Weise zu zerstören oder zu Gunsten neokapitalistischer Dynastien umzugestalten: Auf diesem Wege ist ja Europa schon seit 2000 (siehe – ILO-Bericht) Dies ist die Alternativlosigkeit, die Marionette Merkel immer so fest betont; und da soll mir einer sagen, Geschichte wiederholt sich nicht: In seinen negativen Merkmalen immer!!! Und immer sind auch die Menschen dabei und stimmen mit zu, damals dem Hitler und heute Mutti Mainstream von der CDU/CSU.

  • Ich verstehe absolut nicht warum alle Schreiberlinge vom Chefredakteur bis zum Praktikanten das Offensichtliche nicht wahr haben wollen oder auch noch mit gänzlich Falschen Aspekten hier aufwarten....?

    Entweder habt ihr alle auf Pump Aktien ohne Ende gekauft oder was ist hier nur mit euch los?

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