Kommentar zur Lufthansa: Wenn der Mob regiert

Kommentar zur Lufthansa
Wenn der Mob regiert

Großaktionäre verhindern den Stabswechsel im Aufsichtsrat der Lufthansa. Tun sie sie damit dem Unternehmen oder nur sich selbst einen Gefallen?
  • 16

Die Lufthansa kann sich einen neuen Aufsichtsrat zusammensuchen. Wolfgang Mayrhuber, viele Jahre Chef des Unternehmens und seither Aufsichtsratsvorsitzender in Wartestellung, hat seine Bewerbung um das Spitzenamt zurückgezogen, weil er Gegenwind von den Aktionären befürchten muss. Das Ganze ist mehr als peinlich: Mayrhuber hatte sich lange vorbereitet, war extra zwei Jahre in eine sogenannte Abkühlungsphase gegangen, um nun den neuen Job regelgerecht antreten zu können. Daraus wird nichts. Dazu kommt: Morgen ist Hauptversammlung der Lufthansa, das Unternehmen steht blamiert vor seinen Eigentümern. Wahrscheinlich muss der derzeitige Aufsichtsratschef Jürgen Weber bis auf weiteres sein eigener Nachfolger bleiben.

Was nach einem Staatsstreich der Aktionäre aussieht, nennt sich Aktionärsdemokratie: Großinvestoren und ihre Berater haben sich gegen Mayrhuber ausgesprochen. Sie halten ihn für überbeschäftigt, weil er etwa bei UBS, Infineon und Münchner Rückversicherung bereits Kontrollposten innehat. Und sie halten ihn auch nicht für den besten, weil er die Lufthansa während seiner Zeit im Pilotensessel zwar durch Zukäufe vergrößert hat, aber ihre Effizienz vernachlässigte. Dass sein Nachfolger als CEO Christoph Franz bei den Kosten jetzt so sehr auf die Bremse drückt, hängt auch damit zusammen, dass Mayrhuber vorher so sehr Gas gegeben hat.

So weit, so gut. Die Kehrseite der Aktionärsdemokratie sieht jedoch so aus: Eigentümer, die auf Kursexplosionen und Dividende aus sind – das sind garantiert nicht diejenigen, die für eine langfristige Entwicklung des Unternehmens förderlich sind. Die Lufthansa könnte unter ihren selbstbewussten Aktionäre eher leiden, als dass sie Fortschritte macht. Wenn das passiert, dann ist aus der Aktionärsdemokratie im Handumdrehen ein Aktionärsmob geworden. Und wenn der Mob regiert hat niemand mehr etwas zu lachen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar zur Lufthansa: Wenn der Mob regiert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Direktaktionaere (Leute, die Aktien fuer eigene Rechnung halten) sind rechtlos. Positionen, Bezuege und strategische Entscheidungen werden ausserhalb und vor der Aktionaersversammlung festgelegt. Die Entscheider sind Angehoerige der gleichen Klasse, die sich seit Jahren kennen und an den einschlaegigen Versammlungsorten der Elite immer wieder begegnen.

    Zu dieser Klasse – nennen wir sie die neuen Lords – gehoeren auch die Vertreter von Pensionsfonds, Versicherungen und anderen Kapitalsammelstellen. Mit ihrer gebuendelten Stimmenmacht haben sie in der Regel das Sagen.

    Das ist auch bei der Lufthansa so. Warum es dem Lufthansa Management nicht gelungen ist, die Frage des Aufsichtsratsvorsitzenden wie ueblich im Vorfeld (auf dem Golfplatz) abzuklaeren, werden wir nie wissen.

    Mit dem Interesse von Aktionaeren hat das alles nichts zu tun. Die “neuen Lords” sind eine Klasse, die sich selbst bedient und sich jeder Kontrolle entzieht. Die Boni der Banker sind ein einleuchtendes Beispiel fuer den offensichtlichen mangel an Kontrolle durch die Eigner, aber dieses Verhalten ist die Regel. Wer sich mit dieser Klasse beschaeftigt hat, dem muss man keine Namen mehr nennen, von leuten, die in den letzten Jahren durch Selbstbedienung Schlagzeilen gemacht haben.

    Infolge Aemterhaeufung liegt die Kontrolle ueber die grossen Unternehmen bei einer sehr kleinen Zahl von Leuten (z.B. Paul Achleitner und Gemahlin). Das Problem ist keineswegs nur dass Leute mit vielen Aemtern zeitlich ueberfordert sein koennten. Das gravierendere Problem ist die Ballung von Macht, die sich Gesetze bestellt, Politiker kauft, brave Vorstandsmitglieder mit einem Aufsichtsratmandat belohnt und auch all das, was wir uns vielliecht gar nicht vorstellen koennen.

    Herr Stock, Sie sind kein schlechter Journalist. Deswegen vermute ich, dass Sie jetzt irgendwo sitzen und sich die Haare raufen ob des vorlauten und voreiligen Artikels.

  • Na ja, viel Spekulation ohne sachliche Argumente.
    Es fehlt jeder Hinweis, dass die Großaktionäre tatsächlich keine Interesse an Nachhaltigkeit haben und ebenfalls jeder Hinweis, der Mayrhubers Politik rechtfertigt. Ausgabenorgien ohne Augenmerk auf Effizienz, das ist ja wohl der Vorwurf.
    Und mangelnde Effizienz ist ein schwerer Vorwurf.
    Da weder für das eine, noch das andere irgenwelche Argumente geliefert werden, muss man diesen Artikel wohl als den Versuch werten die Öffentlichkeit und deshalb wohl wirklich den Mob für die Interessen Mayrhubers einzuspannen.

    H.

  • Aktionäre sind nicht EIGENTÜMER sondern Anteilseigner werter Rechner.
    Und "Herr im "Eigenen Haus" spielen" das meinte Herr Stock vlt auch mit seinem Zwischenruf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%