Kommentar zur US-Wahl
Bushs Sieg ist kein Triumph

US-Präsident George W. Bush wird wohl das Weiße Haus nicht räumen müssen. John Kerry konnte seine Ziele nicht erreichen. Doch der Sieg von Bush ist alles andere als ein Triumph.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat sein großes Ziel verfehlt. Viele Amerikaner sind zwar unzufrieden über das Chaos im Irak, schrumpfende Haushaltseinkommen und die galoppierenden Gesundheitskosten. Aber der Senator von Massachusetts hat es nicht geschafft, das dumpfe Unbehagen in eine Wechselstimmung umzumünzen.

Ein dickes Manko von Kerry: Auf dem platten Land im Mittleren Westen, wo die Leute wie in den konservativen Südstaaten ticken, konnte der Demokrat nicht punkten. Trotz massiver Job-Verluste zählen hier Werte mehr als Ökonomie. George W. Bush wusste dies und rammte mit seinem Feldzug gegen Homosexuellen-Ehe und Abtreibung Wahlkampf-Pflöcke ein.

Die Opposition bleibt auf der bitteren Erkenntnis sitzen: Ein Demokrat kann nicht Präsident werden, ohne dass er wenigstens einen Südstaat holt. Für Bush ist dieser Sieg alles andere als ein Triumph. Er müsste Brücken bauen, damit ein Ruck durchs Land geht. Ob er das kann, ist zweifelhaft. Außerdem fehlt in zweiten US-Amtsperioden dem Präsidenten erfahrungsgemäß der Drive.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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