Kommentar: Zweikampf im Optionsscheinmarkt

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Kommentar: Zweikampf im Optionsscheinmarkt

Wenn die Deutsche Börse jemals im Optionsscheinhandel eine wichtige Rolle spielen will, dann wird es höchste Zeit, eine Attacke auf die Stuttgarter Derivatebörse Euwax zu starten. Genau das haben die Frankfurter jetzt vor.

Wenn die Deutsche Börse jemals im Optionsscheinhandel eine wichtige Rolle spielen will, dann wird es höchste Zeit, eine Attacke auf die Stuttgarter Derivatebörse Euwax zu starten. Genau das haben die Frankfurter jetzt vor: Sie wollen ein zusätzliches Derivate-Marktsegment im Frankfurter Parketthandel aufbauen.

Das ist der zweite Versuch der Hessen, dem derzeitigen Monopolisten im deutschen Optionsscheinhandel ernsthaft Konkurrenz zu machen. Der erste Versuch war die Umstellung des Optionsscheinhandels in Frankfurt auf das elektronische Xetra-System im Mai 2000. Dieses Projekt war ein Flop: Heute ist das Segment de facto umsatzlos. Ein wesentlicher Grund dafür war, dass die Citibank als damals größte Emittentin von Optionsscheinen ihre Unterstützung verweigerte. Es war allerdings von Anfang an abzusehen, dass das Xetra-System überfordert wäre, wenn Optionsscheine aller Emittenten ständig aktualisiert werden sollten.

Derzeit hat Frankfurt im Parketthandel nur etwa zehn Prozent Marktanteil am Optionsscheinhandel, steht bei den Zertifikaten mit einem Anteil von 60 Prozent gegenüber den Stuttgartern mit deren etwa 40 Prozent aber gut da.

Dieses Mal hat die Deutsche Börse tatsächlich gute Chancen, der Euwax Marktanteile abzunehmen. Dafür spricht unter anderem, dass sie sich vorher mit den Emittenten zusammengesetzt hat und ihnen nicht wieder – wie beim ersten Vorstoß gegen Stuttgart – ein marktfremdes Modell vorgeben will.

Dabei kommt den Frankfurtern zugute, dass einige Emittenten schlecht auf die Euwax zu sprechen sind. Den Banken ist die Monopolstellung der Stuttgarter im Optionsscheinhandel schon länger ein Dorn im Auge. Erst im letzten Jahr hatte die Euwax ein Rekordergebnis erzielt, das zu einem beträchtlichen Teil aus dem Eigenhandel stammte. Den Emittenten wäre mehr Wettbewerb recht. Auch gilt Frankfurt ja immer noch als Haupthandelsplatz der Börsen in Deutschland, und im Allgemeinen zieht Masse Masse an – das ist ein weiterer Pluspunkt für Frankfurt.

Wichtig für den Erfolg der Offensive der Deutschen Börse ist, dass sie weiterhin eng mit den Emittenten zusammenarbeitet, etwa auch mit ihnen gemeinsam die Marketingtrommel rührt, zum Beispiel auf Road-Shows geht.

Und klar ist auch: Wenn die ehrgeizigen Derivate-Pläne der Frankfurter ein zweites Mal scheitern sollten, wäre das ein enormer Imageschaden für den ohnehin angeschlagenen Finanzplatz. Schließlich sind auch Banken in die Pläne eingeweiht, die in London und Paris eine wichtige Rolle spielen.

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